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Havelland
Herr Ribbeck zu Ribbeck
Das Havelland lernen viele von uns zuerst in der Schule kennen, aber nicht im Erdkunde-, sondern im Deutschunterricht. Fontanes Gedicht vom Herrn Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, der seine im Herbst weithin leuchtenden Birnen gern an Kinder verschenkte, ist ein Klassiker deutscher Dichtkunst. Das Vorbild für Fontanes Ribbeck war vermutlich Georg von Ribbeck, der in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebte und als kinderfreundlich galt. Das Geschlecht derer zu Ribbeck hat sein Stammhaus nahe des Städtchens Nauen, das 36 Kilometer westlich von Berlin liegt und mit seinen gut 16.000 Einwohnern eine größere Fläche sein Eigen nennt als Frankfurt am Main. Zahlreiche alte Baudenkmäler sind hier zu besichtigen. Eine unrühmliche Vergangenheit hat Nauen als Standort eines kleineren Konzentrationslagers, das in den 30er Jahren zum KZ Oranienburg gehörte.
Doch zurück zu den Ribbecks, einem märkischen Adelsgeschlecht, das seinen Stammbaum bis zurück ins 13. Jahrhundert führt. Der Vorgängerbau des heutigen Schlosses Ribbeck im gleichnamigen Nauener Ortsteil dürfte mit seinen Fledermausgauben das „Doppeldachhaus“ aus Fontanes Gedicht gewesen sein. Auf seinen Grundmauern ließ Ende des 19. Jahrhunderts Hans Georg Henning von Ribbeck das heutige Schloss errichten.
Obwohl die Ribbecks als Antifaschisten galten und der letzte Schlossherr im KZ Sachsenhausen umgebracht wurde, enteignete die junge DDR die Familie Ribbeck, entfernte alle Hinweise auf die adelige Abstammung und machte das Schloss zu einem Alten- und Pflegeheim. Außerdem „ernüchterte“ sie die Fassade des Gebäudes und verschandelte sie obendrein mit einem Außenaufzug. Nach der Wende versuchte die Familie Ribbeck, das Schloss zurückzuerhalten, doch die Verhandlungen liefen auf einen Vergleich hinaus. Das Schloss blieb Eigentum des Landkreises, bekam aber sein ursprüngliches Aussehen zurück – der Aufzug musste ebenfalls weichen. Heute dient es als kulturtouristisches Zentrum mit Museum unter anderem für Leben und Werk Fontanes.
Den Birnbaum, der laut Fontane aus der Gruft des Herrn von Ribbeck wuchs, gab und gibt es tatsächlich, wenn es sich auch inzwischen um die zweite Neuanpflanzung handelt; vom Original ist nur noch ein Stumpf in der Ribbecker Dorfkirche zu sehen.
Obst- und Gemüseanbau und in Maßen die Fischerei sind im Havelland westlich von Berlin noch immer Einkommensquelle vieler Menschen. Die zahlreichen Seen und Feuchtgebiete, welche von der Havel durchflossen werden, waren seit je ein Hindernis infrastruktureller Erschließung, sind heute allerdings auch die Attraktionen des wachsenden Tourismus. Die Havel entspringt in Mecklenburg-Vorpommern nordöstlich des Müritz-Nationalparks, umfließt das Havelland und beginnt gleich zu Anfang ihren Weg durch Seen an der Mecklenburgischen Seenplatte. Obwohl Quelle und Mündung der Havel nur knapp 70 Kilometer auseinanderliegen, ist der U-förmige Havellauf rund 325 Kilometer lang. In den ersten 12 Kilometern entwickelt sich das bessere Rinnsal zum Wildbach, erst danach ist der Fluss auch für größere Boote schiffbar.
Das Havelländische Luch
Als Kern des Havellandes gilt das Havelländische Luch, ein ursprüngliches Feuchtmoorgebiet. Es liegt im Becken des sogenannten Berliner Urstromtales, das sich ungefähr von den heutigen Orten Frankfurt/Oder bis nach Fehrbellin erstreckt und die Abflussrinne der letzten inländischen Eiszeitgletscher darstellte. Schon im 18. Jahrhundert wurde das 30.000 Hektar große, tischebene Gebiet vorwiegend für Grünlandwirtschaft kultiviert. Das hieß in aller Regel Entwässerung, und die vielen Gräben und Kanäle prägen heute das Gesicht des Luchs.
Rund ein Sechstel seiner Fläche sind im Südwesten als Vogelschutzgebiet ausgewiesen, wo seit 1990 durch regelmäßige Stauungen der nasse Charakter der ursprünglichen Bruchlandschaft wiederhergestellt werden soll. Damit findet unter anderem die vom Aussterben bedrohte Großtrappe ein Brutgebiet.
Radeln durchs Luch
Vom Rande Berlins führt der Havelland-Radweg über Glien, Nauen und – natürlich – Ribbeck in das Luch, weiter nach Rathenow und schließlich bis an die Grenze zu Sachsen-Anhalt. Seine 98 Kilometer sind meist asphaltiert und weisen praktisch keine Steigungen auf.
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