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Usedom

Juwel Vorpommerns

Die Insel Usedom, etwas größer als Köln, liegt vor dem Stettiner Haff, dort, wo Polen und Deutschland sich an der Ostsee treffen. So richtig inselartig wirkt Usedom nicht, eher wie ein Gebiet, das sich ein wenig vom Festland gelöst hat. So liegen zwischen dem Vorpommerschen Festland und dem nordwestlichen Inselende bei Peenemünde nur wenige hundert Meter. Auch die Brücke bei Wolgast, über die der Hauptstrom der Autotouristen auf die Insel fließt, überspannt kaum einen halben Kilometer. Das Wasser südlich Usedoms ist auch kein Meerwasser, sondern zum Großteil das der Oder, das hier zusammen mit dem Wasser der Peene eine große Bucht bildet, das sogenannte Achterwasser. Es ist flach, erwärmt sich schnell und ist bei Segel- und Surfanfängern sehr beliebt. Nahe der Ortschaft Zinnowitz ist die Insel nur noch eine kaum 300 Meter breite Landbrücke zwischen Achterwasser und Ostsee, und bei Sturmflut kommt das Meer auch schon mal auf einen Besuch hinüber. Die Swine bildet den zweiten von drei Mündungsarmen der Oder in die Ostsee. Bei Dzwina in Polen liegt der dritte.

Badewanne der Berliner

Nachdem die Insel in früheren Jahrhunderten oft Zankapfel zwischen Preußen und Schweden war, begann Georg Bernhard von Bülow, Besitzer des Rittergutes Gothen, zu Anfang des 19. Jahrhunderts, Sommerquartiere für Wohlhabende zu errichten oder Parzellen an sie zu verkaufen. 1845 ließ er, nach dem Weißen Schloss am Kulm, die Villa Achterkerke bauen, eine der ältesten noch bestehenden Bädervillen von Heringsdorf. Von Anfang an war das Gebäude als repräsentatives Gästehaus gedacht, was es noch heute ist – nach einer umfassenden Erneuerung und Erweiterung nach der Wende.
Im 18. Jahrhundert gefördert vom preußischen „Soldatenkönig“ Wilhelm dem Ersten, wurde Swinemünde 1824 zum ersten Badeort der Region. Doch so richtig in Gang kam der Bäderbetrieb erst nach der Reichsgründung und dem Börsenhoch von 1871, und nun wurde Usedom weithin bekannt als Sommerfrische der Reichen und Einflussreichen. „Kaiserbäder“ nannten sich die Orte Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin, „Badewanne der Berliner“ nannte sie der Volksmund. Ihre heute zum Promenieren und Fotografieren einladenden Seebrücken waren einst nur lange Stege ins Meer hinaus, an denen auch Schiffe mit Tiefgang anlegen konnten, die wegen des flachen Strandes das Ufer meiden mussten. Die Bansiner Seebrücke ist ein solch langer Steg geblieben, während die Heringsdorfer Seebrücke ein imposantes Gebilde mit einem über 500 Meter langen Steg, einem Land- und einem Seegebäude mit Geschäften, Restaurants und sogar Kino wurde. Die Ahlbecker Seebrücke begnügt sich mit einem 280 Meter langen Steg und einem Brückengebäude. Immerhin ist sie als einzige noch weitgehend im Originalzustand. Einen nagelneuen weißen Anstrich verpasste ihr Anfang der neunziger Jahre der Humorist Loriot, der seinen Film „Pappa ante portas“ vor der Ahlbecker Seebrücke enden ließ. Loriot, mit bürgerlichem Namen Vicco von Bülow, ist ein Nachfahre des Georg Bernhard von Bülow.

Verspielte Villen

Architekturkenner verspotten die sogenannte „Bäderarchitektur“, die sich vor allem in den Kaiserbädern findet, als „Zuckerbäckerarchitektur“. Sie sei gar kein eigener Stil, sondern nur ein vom Klassizismus ausgehendes und vom Kitsch getriebenes Stil-Durcheinander. Das muss die Freude beim Entlangspazieren an den durchweg weiß gehaltenen Villen mit ihren verspielten Ornamenten aber keineswegs trüben.

Ganz originär ist dagegen der Sand am Strand von Usedom: fein, weiß und beliebt bei Urlaubern und Beachvolleyballern. Über 40 Kilometer zieht sich der meist um die 50 Meter breite Strand die Küste entlang von Peenemünde bis Ahlbeck, wo man zu Fuß oder per Rad auch ganz unbürokratisch nach Polen überwechseln kann.

Kampf der Erosion

Ein wichtiges Kapitel auf Usedom ist der Küstenschutz. Und hier ist nicht die Abwehr von Piraten gemeint, sondern der Kampf gegen die unablässig nagenden Erosionskräfte von Wasser, Wind und Wetter. Buhnen – vom Strand ins Meer verlaufende Reihen von Holzpfählen – und Wellenbrecher – in einigem Abstand vom Strand parallel verlaufende Aufschüttungen von Natursteinen – sollen den Wellen Kraft nehmen. Deiche und Dünen, oft zur Stabilisierung mit tiefwurzelndem Hafer bepflanzt, sollen den Sand am Strand halten und die Insel vor Sturmfluten schützen. Küstenschutzwälder befestigen Abschnitte, die sonst sandig und der Erosion schutzlos ausgeliefert wären.

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