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Dublin
Grundlegender Wandel
Es ist noch nicht allzu lange her, dass Dublin bloß als die Hauptstadt des europäischen Armenhauses Irland galt, bestenfalls interessant für Verehrer der Nobelpreisliteraten Yeats, Shaw und Beckett (sowie der ungeehrten, aber nicht weniger berühmten Joyce, Swift und Wilde) und für hartgesottene Guinness-Fans – was man durchaus beides sein konnte. Arme Häuser fanden sich besonders nördlich des Flusses Liffey, und mancher vertrat die Ansicht, das Beste, was man in Dublin tun könne, sei auszuwandern. Das hat sich gründlich gewandelt; heute zieht Dublin Besucher wie Einwohner an. Welches Land hat seine EU-Mitgliedschaft so gewinnbringend nutzen können wie Irland mit seiner Hauptstadt? Dublin ist eine moderne Metropole, ein kultureller Brennpunkt, ein Treff für die Gestalter der modernen Welt wie Google oder Microsoft, die hier, wie viele andere globale Unternehmen, ihre Europazentralen haben.
Trotz dieser Repräsentanz der großen Welt kann man die meisten von Dublins Sehenswürdigkeiten zu Fuß erkunden; vielleicht macht dies den Reiz der Stadt aus: weltoffen, und doch intim.
Renommierte Universitäten
Renommiert sind auch Dublins Universitäten, allen voran das einzige College der Universität Dublin, das Trinity College. Elisabeth die Erste ließ es 1592 in einem ehemaligen Augustinerkloster für Studenten protestantischen Glaubens gründen. Prunkstück der Einrichtung ist die Bibliothek, mit viereinhalb Millionen Bänden und zahlreichen anderen Druckwerken Irlands größte. Eigentlich besteht sie aus fünf eigenständigen Bibliotheken, von denen eine heute im St. James-Hospital ausgelagert ist. Besonders imposant ist der „Lange Raum“, 64 Meter lang und 12 Meter breit, der galerieumsäumte Haupt-Lesesaal des College. Der Stolz der Bibliothekare ist das „Book of Kells“, ein kunstvoll verzierter Evangelienband aus dem 9. Jahrhundert, von dem ein paar Seiten unter Glas ausgestellt sind.
Nicht zu verwechseln mit dem Trinity College ist das University College Dublin, das einen Teil der Nationaluniversität von Irland bildet. Es geht auf die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, existiert in seiner heutigen Form seit 1908.
Die jüngste der Dubliner Universitäten ist die Dubliner Stadtuniversität im Stadtteil Glasnevin, die zur Zeit etwa 10.000 Studenten ausbildet. Sie wurde 1975 als Nationalinstitut für höhere Bildung gegründet und ist seit 1989 offiziell eine Universität.
Dubh Linn
Der Name Dublin geht übrigens auf eine Wikingersiedlung des frühen Mittelalters zurück, die „An Dubh Linn“ genannt wurde: dunkler Tümpel. Sie lag, wo heute Christ Church Cathedral, das Dublin Castle und der Bezirk Temple Bar zu finden sind. Weiter flussaufwärts lag die kleinere keltische Siedlung Áth Cliath („Hürdenfurt“), nach der Dublin heute in irischer Sprache benannt wird: „Baile Átha Cliath“, Stadt der Hürdenfurt.
Temple Bar
Der Stadtteil Temple Bar am Liffey-Südufer des Stadtzentrums ist eines der beliebtesten Touristenziele, auch wegen seiner mittelalterlichen Straßenzüge, doch nicht zuletzt wegen des ausgedehnten Nachtlebens, das in den zahlreichen Pubs, Bars und Restaurants gedeiht. Ob der Name Temple Bar von einem Dekan des Trinity-Colleges aus dem 16. Jahrhundert stammt oder sich einfach am gleichnamigen Stadtviertel Londons orientiert, ist ungeklärt. Aber bei weitem nicht nur das Nachtleben ist in Temple Bar von Reiz. 1742 etwa wurde in der frisch eröffneten „Great Musick Hall“ der Messias von Georg Friedrich Händel uraufgeführt; ein 13. April war es, in der Fishamble Street, und dort findet am gleichen Tag auch heute noch jährlich ein Messias statt. Ebenfalls in Temple Bar finden sich kulturelle Pretiosen wie das Irische Zentrum für Fotografie (das sich aus drei renommierten Instituten zusammensetzt), das Filmzentrum, das Temple-Bar-Musikzentrum und viele andere.
Dass Temple Bar in der Mitte des 20. Jahrhunderts ziemlich heruntergekommen war, rettete es vermutlich vor den Grundstückshändlern, die in den 60er Jahren das historische Dubliner Stadtbild weiträumig zu Geschichte machten. Als man in den 80er Jahren dort einen Busbahnhof errichten wollte, zogen die günstigen Mieten während der Planungsphase zahlreiche Händler, Künstler und Galeristen an, die sich bald erfolgreich gegen das Bauprojekt zur Wehr setzten. Seit 1991 wacht die „Temple Bar Properties“-Gesellschaft im Auftrag des irischen Parlaments über Dublins Kulturviertel.
Die Nadel
„The Spire“, die Spitze, ist das moderne Wahrzeichen Dublins: eine Metallnadel von 120 Metern Höhe, die sich in der Mitte der O’Connell-Street erhebt und nachts angestrahlt wird. Eigentlich sollte sie zum Jahrtausendwechsel fertig sein, doch sie hat sich um drei Jahre verspätet; das Dubliner Wetter soll mit schuld gewesen sein, dabei regnet es in Dublin auch nicht mehr als in London.
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