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Chiemsee

Deutschlands drittgrößter See

Der Chiemsee ist ein typischer Vertreter seiner Art, nämlich das Bett eines Gletschers, der am Ende der letzten Eiszeit verschwand. Die Zuflüsse Tiroler Achen und Prien transportieren unablässig Sand in den See, der dadurch langsam verlandet. Der Chiemsee ist bereits auf ein Drittel seiner einstigen Größe geschrumpft und heute noch knapp 80 Quadratkilometer groß. Damit ist er aber noch immer Bayerns größter See und nach Bodensee und Müritz Deutschlands drittgrößter nach Fläche.

Herrenchiemsee

Das politische Deutschland blickte im Spätsommer 2008 auf die Insel Herrenchiemsee im Chiemsee. Grund war das sechzigjährige Jubiläum des deutschen Grundgesetzes, das dort im August 1948 entworfen wurde. Die Teilnehmer des Verfassungskonvents waren anfangs nicht besonders willig, weil sie keine Lust hatten, viel Arbeit in etwas zu stecken, was angesichts des Besatzungsstatus der BRD doch nur Provisorium bleiben würde. Bekanntlich hält nichts so lange wie ein Provisorium, und die Bootsfahrt auf dem See am ersten Arbeitstag trug wohl dazu bei, die Politiker, Juristen und Verwaltungsfachleute mit ihrer Aufgabe zu versöhnen.

Das kann gut verstehen, wer den Chiemsee und seine größte Insel besucht. Ludwig der Zweite, Bayerns „Kini“, der besonders gern Schlösser baute, wollte hier eines errichten, das sich eng an Versailles orientiert. Tatsächlich übertrifft der 98 Meter lange Spiegelsaal das französische Original um 7 Meter. Damit ist er der größte Schlosssaal in Deutschland und wird heute gern für besondere Konzerte oder politische Empfänge genutzt. Noch während der Bauarbeiten ging dem König das Geld und die Gefolgschaft aus, sodass er in dem halbfertigen Bau nur zehn Tage verbrachte. Während dieser zehn Tage wurde der Spiegelsaal allabendlich von Kerzen erleuchtet. Um die über 1.800 Kerzen in dem riesigen, mit 23 großen Spiegeln ausgestatteten und prunkstrotzenden Raum anzuzünden, brauchten 25 Diener über eine halbe Stunde.

Nach dem Tode Ludwigs blieb vieles unfertig, manches wurde gar wieder abgerissen. Aber immerhin ist dem Bayernkönig zu verdanken, dass die Insel noch heute baumbestanden ist. Auf der Insel befand sich nämlich seit dem achten Jahrhundert ein Kloster, das nach der Säkularisierung Anfang des 19. Jahrhunderts aufgegeben und dann verschiedenen Zwecken zugeführt wurde. Zuletzt kauften Holzspekulanten die Insel, um sie abzuholzen. Dem kam König Ludwig 1873 zuvor, indem er Herrenchiemsee kaufte und fünf Jahre später den Bau seines Schlosses beginnen ließ. Länger zuvor war ein Teil des Klosters bereits zu einem – wenn auch im Vergleich bescheidenen – Schloss umgebaut worden, das einem Graf zu Hunoltstein als Wohnstatt diente. Dort logierte später des öfteren Ludwig der Zweite, um den Fortschritt seines Neubaus zu verfolgen.

Die Fraueninsel

Mit 15,5 Hektar bedeutend kleiner als Herrenchiemsee (von den Einheimischen Herreninsel genannt) ist Frauenchiemsee (Fraueninsel). Dennoch hausen hier in dichter Bebauung rund 300 Menschen, ganz anders als auf der größtenteils unbebauten Herreninsel. Trotzdem hat die Fraueninsel noch Platz für zahlreiche Besucher des Klosters Frauenwörth, das auf das 8. Jahrhundert zurückgeht und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erneuert wurde. Es überstand unter der Patronage Ludwigs des Ersten die Säkularisation und ist der Seligen Irmgard gewidmet. Sie war im 9. Jahrhundert Äbtissin und hatte sich um den Wiederaufbau des verwahrlosten Klosters verdient gemacht.
Eine Besonderheit des Chiemgaus ist auch hier zu besichtigen: der freistehende Glockenturm aus dem 12. Jahrhundert, der seit dem 17. Jahrhundert eine Zwiebelhaube trägt.

Maleridyll

Dass Herrenchiemsee nur Ludwigs zweite Wahl war und er den Chiemsee eigentlich nicht mochte, ist verwunderlich, denn die Schönheit der Landschaft zog immer wieder Landschaftsmaler an. Der gebürtige Münchner Max Haushofer, als Student mit der Tochter des Inselwirts liiert, hielt später als Kunstprofessor der Prager Universität auf der Fraueninsel immer wieder Kurse ab, und einige der sogenannten Chiemseemaler sind auf dem Klosterfriedhof beerdigt.

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