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Mecklenburgische Seenplatte

Ein Seenparadies

Größtes Wassersportgebiet in Mitteleuropa und größter See mit rein deutschen Grenzen (die Müritz). Wer von dieser Region spricht, verfällt gern in Superlative, doch die hat die Seenplatte gar nicht nötig. Wer die Schönheit der Landschaft einmal gesehen hat, muss nicht mehr überzeugt werden. Anreisen direkt per Schiff, das geht über die Havel etwa von Berlin oder über die Elbe von Hamburg aus, denn das Wasser der Seenplatte fließt in die Nord- und nicht in die Ostsee. Gleich weit von beiden Großstädten entfernt liegt der Ort Waren an der Müritz, der sich mit seinen gerade mal 22.000 Einwohnern schon Metropole der Region nennen darf; immerhin ist er mit knapp 160 Quadratkilometern Fläche nach Rostock größter Ort Mecklenburg-Vorpommerns.

Nach der Eiszeit vollgelaufen

Bühnenbildner der wunderschönen Seenlandschaft waren die Gletscher der letzten Eiszeit, die Hügel auftürmten und Gruben auskratzten, die nach und nach mit Grundwasser vollliefen. Als in der Folge der Völkerwanderung die Slawen in das Gebiet einzogen, nannten sie diese Landschaft „Morcze“, „kleines Meer“, woraus „Müritz“ wurde. Sie ist mit 117 Quadratkilometern der größte See Deutschlands, wenn man den Bodensee mit seinen ausländischen Grenzen nicht dazuzählt. Sehr tief ist sie allerdings nicht, im Schnitt nur sechs Meter, und am Ostufer kaum mehr als einen. Wegen ihrer rautenartigen Form gibt es eigentlich nur West- und Ostufer.

Der Müritz-Nationalpark

An letzterem liegen über drei Viertel des zweiteiligen Müritz-Nationalparks, der eine Gesamtfläche von rund 320 Quadratkilometern besitzt. Das flache, sandige Ostufer der Müritz stand vor 200 Jahren selbst noch unter Wasser, bevor zahlreiche Wehre, die für den Betrieb von Wassermühlen errichtet worden waren, wieder abgebaut wurden, um die Elde schiffbar zu machen.
Dieser Park, 1990 gegründet, schließt über hundert Seen mit einer Größe über ein Hektar ein, von den Tümpeln gar nicht zu reden.

Fauna ...

Zwei Adlerarten gehören zu den seltenen Tieren des Parks: der Fisch- und der Seeadler, die von Besuchern in Boek oder Federow gut beobachtet werden können. Dort lassen sich auch die Kraniche in Augenschein nehmen, von denen etwa 60 Paare den Sommer hier verbringen. Der Einzug von Tausenden Ende Oktober, die hier eine Rast auf dem Weg nach Süden einlegen, ist ein optisch wie akustisch beeindruckendes Schauspiel.
Den „Moorochsen“ muss man dagegen suchen, denn er ist mit seinem gescheckten Federkleid – tatsächlich handelt es sich um die Rohrdommel – im Schilf selbst aus der Nähe kaum zu erkennen. Dafür kann man den seltenen, streng geschützten Vogel gut hören, wenn er denn ruft, was ihm seinen Spitznamen eingetragen hat.
Außer Ochsen gibt es auch Löwen hier, doch auch hinter diesem imposanten Namen verbirgt sich etwas ganz anderes: der Ameisenlöwe, die daumennagelgroße Larve der schmetterlingsähnlichen „Ameisenjungfer“, verbirgt sich in selbstgegrabenen Sandtrichtern, um Ameisen aufzulauern.

... und Flora

Nicht minder vielgestaltig ist die Pflanzenwelt des Müritz-Nationalparks. Die Seerose, die so manche Wasserfläche wie ein Teppich bedeckt, gehört sicher zu den auffälligsten. Das Wollgras mit seinen weißen Büscheln gilt als Indikator für eine gesunde Moorlandschaft, und der Echte Zunderschwamm, ein Pilz, den man einst zum Feueranzünden benutzte, sorgt für das Recycling toter Bäume.
Der Müritzhof südlich von Waren war ursprünglich eine Ziegelei, die nach dem Erschöpfen der Tonvorkommen zum Bauernhof wurde. Rund um den Hof entstand 1954 die erste Naturschutz-Lehrstätte Europas, wo bis zum Ende der DDR haupt- und ehrenamtliche Naturschützer in die Lehre gingen. Seit 1969 wird die robuste, aber dennoch vom Aussterben bedrohte Rasse der schwedischen Fjäll-Rinder für die Beweidung des Müritz-Vorlandes eingesetzt.

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