|
Rügen
Deutschlands größte Insel
Rügen, die größte deutsche Insel, hat etwas mehr Fläche als Berlin. Sie liegt in der Ostsee nahe Stralsund und gehört zu Mecklenburg-Vorpommern. Lagunen mit nur schmaler oder nur bei Flut bestehender Verbindung zum Meer heißen hier Bodden, und von denen hat Rügen einige, besonders im Norden und Westen. Sie gelten als geologisch blutjunge Formationen mit geringem Salzgehalt, der sich den einmündenden Flüssen und Bächen verdankt. Die für die pommersche und mecklenburgische Küste typischen Formationen sind Heimat vieler Stand- und Rastplatz vieler Zugvögel – ein Grund für die Einrichtung des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft westlich von Rügen.
Insel der Rugier
Namensgeber der Insel waren die ostgermanischen Rugier, die im Zuge der Völkerwanderung nach Süden zogen oder sich mit den neuen Rügener Herren vermischten, den slawischen Ranen, die aus dem Osten vordrangen und ähnlich den Wikingern hartgesottene Eroberungstypen waren. Die Dänen versuchten lange vergeblich, sie zu unterwerfen und zu christianisieren; erst 1168 mussten sich die Ranen diesen Versuchen geschlagen geben. Zahlreiche Ortsnamen künden auf Rügen noch vom slawischen Erbe, doch unter dem starken Zuzug westelbischer Stämme starb das Ranische Anfang des 15. Jahrhunderts aus.
Das Fürstentum Rügen – in seiner größten Ausdehnung erstreckte es sich auch auf das Festland bis zur Peene – war lange Zankapfel zwischen den Mecklenburger Fürsten (denen der davongejagte dänische König Christoph der Zweite die Insel gegen Asyl versprochen hatte) und den Pommerschen Fürsten, die zum neuen dänischen Herrscherhaus hielten.
Nach mehreren vergeblichen Eroberungsversuchen der Mecklenburger kam das Fürstentum Rügen im Jahre 1354 endgültig an Pommern.
Kap Arkona und die Jaromarsburg
Hört sich nach italienischer Adria an, liegt aber an Rügens Nordspitze: das Kap Arkona, eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Insel. Unmittelbar oberhalb der steil abfallenden Kreide- und Mergelfelsen stand eine Burg der Ranen, die heidnischer Tempel und Zufluchtsort zugleich war. Von drei Seiten durch das Meer und nach Westen durch zwei Wälle geschützt, wurde in der Burg dem vierköpfigen Gott Swantewitt (oder Svantovit) gehuldigt. Betreten durfte den Innenraum nur der Priester, und selbst der musste zum Ausatmen vor die Tür, um das Heiligtum nicht mit Irdischem zu beschmutzen. Nach Jaromar dem Ersten wurde die Burg jedoch erst nach ihrer Zerstörung durch die Dänen benannt. Weil immer wieder Felsbrocken der Steilküste im Lauf der Jahrhunderte abbrachen, verschwanden große Teile der Anlage im Meer.
Sellin
Sellin, erstmals Ende des 13. Jahrhunderts erwähnt, entwickelte sich um die vorvergangene Jahrhundertwende – wie die „Kaiserbäder“ des Usedomer Raums – rasch zu einem beliebten Badeort. Die Zuckerbäckerarchitektur, besonders in der Wilhelmstraße, wurde nach der Wiedervereinigung großzügig aufgefrischt. Ein weiteres Schmuckstück Sellins ist die mit knapp 400 Metern längste Seebrücke Rügens. Den Vorläuferbauten von 1906 und 1925 hatten buchstäblich Feuer und Eis den Garaus gemacht: ein Brand dem ersten, schwerer Eisgang dem zweiten. Was die Natur übrig gelassen hatte, machte die Vernachlässigung zu DDR-Zeiten zunichte. Doch acht Jahre nach der Wiedervereinigung feierte die Seebrücke mit der Fertigstellung des Brückenhauses (als Neubau nach alten Plänen) prachtvolle Wiederauferstehung.
Jeder vierte Urlauber in Mecklenburg-Vorpommern nächtigt auf Rügen. Hauptsaison ist natürlich der Sommer, und hier sind neben Sellin die Orte Binz, Göhren und Sassnitz die Zentren der Erholungssuchenden. Doch die Natur- und Kulturlandschaft Rügens zieht auch von September bis Mai Reisende an.
Unser Ferienhaus-Tipp

|