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Korsika

Insel des Gebirges

Die Mittelmeerinsel Korsika ist französisches Staatsgebiet, gut 180 Kilometer lang und gut 80 Kilometer breit. Diese Maße geben in der Reihenfolge auch ziemlich genau die Entfernungen zum französischen und italienischen Festland an; von Sardinien trennen Korsika indes nur 12 Kilometer. Das Klima zeigt, wie die geografische Lage und die Gebirgshöhen erahnen lassen, verschiedene Gesichter. Die Küste hat meist typisches Mittelmeerklima, in den Bergen regnet es deutlich öfter, und auch die Temperaturen sind entsprechend niedriger. Auf den höchsten Gipfeln liegt auch im Sommer meist Schnee.

Obwohl etwa halb so groß wie Schleswig Holstein, beherbergt die Insel nur rund 280.000 Menschen, denn über vier Fünftel der Fläche wird von Hochgebirge eingenommen. 50 Zweitausender drängen sich hier – der höchste ist mit 2706 der Monte Cinto – und verschaffen Korsika eine Durchschnittshöhe von 568 Metern. Und den Zweitausendern steht mancherorts eine gar noch größere Tiefe unter Wasser gegenüber. Es ist, so heißt es oft, als würden die Alpen dem Meer entsteigen, was gar nicht so falsch ist, denn die korsischen Berge sind zur selben Zeit entstanden wie die Alpen. Entlang des Hauptkammes des korsischen Gebirges schlängelt sich der GR 20 von Calenzana im Nordwesten bis nahe Porto Vecchio im Südosten. Dieser Bergwanderweg gilt als der anspruchsvollste Frankreichs. Kondition, ordentliche Ausrüstung und Schwindelfreiheit gelten als Pflicht; die Fittesten schaffen den Weg in etwa zwei Wochen. Die Ansprüche an Komfort dürfen auch nicht groß sein; immerhin aber gibt es auf den Berghütten inzwischen Verpflegung, wenn auch nur zwischen Juni und August. Dafür suchen die Ausblicke von dieser Strecke ihresgleichen.

Die korsische Eisenbahn

Und manche dieser Ausblicke kann man schon während der Anfahrt mit den Zügen der CFD, der korsischen Eisenbahngesellschaft, genießen. Die meisten Wandertouristen kommen mit der Bahn (anders kommt man an viele Stellen auch gar nicht hin); die Fahrt mit ihr ist schon Teil des Abenteuers, dafür sorgen 32 Tunnel, 76 Brücken, beträchtliche Höhenunterschiede – und auf manchen Abschnitten Dieselloks von 1949. Wie ein etwas zittrig gezeichnetes H verbindet die eingleisige Schmalspurbahn die Orte Calvi, Bastia, Ajaccio und Porto Vecchio.

Ein Deutscher war Korsikas einziger König

Der Mohrenkopf mit Stirnband in der korsischen Flagge geht auf ein Wappen des Königreichs Aragón zurück – und dieses Wappen wiederum auf die Auseinandersetzungen mit den Mauren (= Mohren), den damaligen Herrschern des südlichen Mittelmeerraumes (die vier Mohrenköpfe der sardischen Flagge haben dieselbe Herkunft). Der noch heute verehrte „Landesvater“ Pascal Paoli führte den Mohrenkopf als Symbol des korsischen Freiheitskampfes im 18. Jahrhundert ein. Paoli war mit der Familie Napoleon Bonapartes befreundet und hatte Kontakte zu Herrschern in aller Welt. Er musste jedoch den Großteil seines Lebens im Exil verbringen. Zwar war es ihm gelungen, die Genueser, die nach Griechen, Römern und Mauren die Mittelmeerinsel nun beherrschten, aus dem Landesinneren zu vertreiben, eine eigene Verfassung aus der Taufe zu heben und das Land eine Weile zu regieren. Doch Genua verkaufte Korsika an Frankreich, und die Franzosen eroberten im zweiten Anlauf die Insel zurück.
Vorgänger Paolis war der deutsche Abenteurer Theodor von Neuhoff, ein Hansdampf in allen politischen Gassen des damaligen Europas, dem durch Einfluss am österreichischen Hof die Freilassung korsischer Gefangener in Genua gelungen war und den die Korsen dafür verehrten. Als er Anfang des 18. Jahrhunderts mit einem reich ausgerüsteten Segelschiff in Korsika ankam und mithalf, die Genuesen zum ersten Mal an der Küste festzunageln, kürten ihn die Korsen zum ersten – und bislang einzigen – korsischen König. Seine Herrschaft währte jedoch nur kurz: von März bis November 1736. Da sabotierte das hochstehende korsische Ehrgefühl zum ersten Mal den Aufbau einer funktionierenden Staatsregierung.

Franzosen, die keine sein wollen

Bis heute hat dieses Ehrgefühl die Unabhängigkeitsbewegung Korsikas mehr zersplittert als befeuert; über Sabotageakte ist sie nur selten hinausgekommen, die allerdings folgten einander täglich, und nach der Ermordung des französischen Präfekten im Jahre 1998 war es den einfachen Bürgern endgültig zu viel. Sie gingen auf die Straße, um gegen die Gewalt zu demonstrieren.
Touristen kamen bei derartigen Anschlägen nie zu Schaden; Rohbauten von Ferienanlagen dagegen schon. Korsika ist heute also kein Ort des Massentourismus, was es zusammen mit der wilden Schönheit seiner Bergwelt für Urlauber anderer Ausrichtung aber umso attraktiver macht. Nur billig ist Korsika nicht. Man muss mit Preisen wie an der Côte d’Azur rechnen.

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