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Emilia-Romagna
Die unbekannte Region
So bekannt ihre wichtigsten Städte sind: Parma, Piacenza, Modena, Bologna, Ferrara, Ravenna oder Rimini, so unbekannt ist der Name der Region südlich des Po. Dabei stammt die Bezeichnung „Romana“ für den östlichen Teil von den Langobarden, die hiermit das byzantinische Herrschaftsgebiet südlich ihrer (heutigen) Lombardei bezeichneten. Der westliche Teil verdankt seinen Namen dem römischen Konsul Marcus Aemilius Lepidus, der 187 vor Christus eine Straße zwischen Placentia (Piacenza) und Ariminum (Rimini) bauen ließ, die später nach ihm Via Aemilia genannt wurde.
Die Emilia-Romagna ist etwas größer als Hessen, hat gut 4 Millionen Einwohner, grenzt im Osten bei Rimini an die Adria und liegt nördlich des Appenin, gehört also zum wohlhabenden Norden Italiens.
Motorsportfreunde werden die Region bestens kennen, denn in oder nahe Modena haben Ferrari, Lamborghini und Maserati ihre Firmensitze, in Bologna der Motorradbauer Ducati, und im kleinen Imola südöstlich von Bologna finden Formel-1-Läufe statt. Opernfreunde wiederum kennen Modena als Geburtsort des Tenors Luciano Pavarotti – und weniger als den des Rennfahrers und Sportwagenherstellers Enzo Ferrari.
Modena
Die Universität der Bischofsstadt Modena geht auf das Jahr 1175 zurück. Da war die Stadt gut zweihundert Jahre alt (auch wenn es zu vorchristlicher Zeit schon Siedlungen ähnlichen Namens gab), die Kathedrale seit über zwei Generationen im Bau – sieben sollte er dauern. Dieser Dom, San Geminiano, ist der Stolz der Modenesen, sein freistehender Glockenturm Ghirlandina („kleine Girlande“) mit gut 86 Metern das Wahrzeichen der Stadt.
Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der Fürstenpalast etwas abseits der Altstadt. Mitte des 17. Jahrhunderts begonnen und erst zweihundert Jahre später fertiggestellt, beherbergt er heute die italienische Militärakademie.
Piacenza
Die 100.000-Einwohner-Stadt, gut 100 Kilometer nordwestlich von Modena, ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und liegt unmittelbar am Po. Als Handelsplatz, Industriezentrum und Standort von Raffinerien und eines Luftwaffenstützpunktes scheint sie touristisch wenig interessant, doch einige Bauten der alten Stadt gelten als sehenswert, etwa der Dom Santa Maria Assunta, die Kirchen Sant‘Antoninio, San Francesco, San Sisto, Sant’Illario, die Backsteinkirche Santa Maria di Campagna (die als Juwel der Renaissancearchitektur gilt), der Gouverneurspalast von 1787 oder das Rathaus von 1281.
Bologna
Die oben erwähnte Via Aemilia machte zusammen mit der Via Flaminia die Stadt zu einem Verkehrsknotenpunkt der Antike. Schon lange führt Bologna, Hauptstadt der Emilia Romagna, unter ihren vielen Beinamen auch „die Gelehrte“ (La Dotta), denn die Stadt, deren Namen auf den keltischen Stamm der Bojer zurückgehen soll, rühmt sich der ältesten Universität des Abendlandes. Auch wenn das zuweilen umstritten und das genaue Gründungsdatum nicht bekannt ist (heute vermutet man das Jahr 1088), so war und ist Bologna eine der bedeutendsten Bildungsstätten der Welt. Hier wurde 1219 der erste Doktor ernannt – vom Papst höchstpersönlich, hier lehren oder lehrten Größen wie Dante, Petrarca, Romano Prodi und Umberto Eco.
Am Ende des 13. Jahrhunderts war Bologna eine der größten Städte Europas: 50.000 Einwohner hatte sie, und jeder fünfte war Student. Wohnraum war gefragt, und einer Anordnung, die Hauseigentümer zwecks Schaffung von Wohnraum zur Aufstockung verpflichtete, verdanken die für Bologna typischen Hocharkaden, die Portici, ihr Entstehen.
Die Universität ist die zweitgrößte Italiens nach der römischen Sapienza. 100.000 Studenten studieren heute in 23 Fakultäten, und Zweigstellen gibt es nicht nur in Italien, sondern seit 1998 sogar in Buenos Aires.
Trotz der modernen Ausrichtung finden sich in Bologna noch zahlreiche Bauwerke von historischer Bedeutung. Als Wahrzeichen kann sich die Stadt jedoch gleich zweier schiefer Türme rühmen: des Asinelli (knapp hundert Meter) und des Garisenda (knapp halb so hoch) auf der Piazza di Porta Ravegnana. Diese Wehrtürme aus dem 12. Jahrhundert waren für den weichen Untergrund wohl zu schwer. Trotzdem kann man noch immer hinaufsteigen, und wer die 500 Holzstufen des Asinelli nicht scheut, bekommt einen prächtigen Blick über die Ziegeldächer der Stadt – und versteht, warum Bologna auch La Rossa, die Rote genannt wird.
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