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Berner Oberland
Berner Oberland und Napoleon
Das Berner Oberland verdankt seine begriffliche Existenz Napoleon, der 1798 den Kanton „Oberland“ per Befehl schuf, ihn allerdings 1803 wieder mit dem Kanton Bern vereinigte. Das Zusammengehörigkeitsgefühl seiner Bewohner hat den Namen allerdings fortbestehen lassen.
Interlaken
Die Seen von Brienz und Thun waren kurz nach der letzten Eiszeit ein einziger, der sogenannte Wendelsee. Das Geschiebe der Bergbäche Lombach und Lütschine schüttete ungefähr in der Mitte eine Ebene auf, das heutige „Bödeli“, auf dem die Gemeinden Matten, Unterseen und Interlaken liegen. Der Thunersee hat ein Volumen von 6,5 Kubikkilometern und liegt knapp 560 Meter über dem Meer. Interlaken (der Name kommt vom lateinischen „inter“ = zwischen und „lacus“ = See und bezeichnete ursprünglich nur ein Kloster von 1130) ist heute einer der wichtigsten Fremdenverkehrsorte der Schweiz mit mehr Touristen- als Einwohnerbetten, wenn auch der Ort nur knapp über 5.000 Einwohner hat. Davon ist allerdings ein gutes Viertel (der dritthöchste Anteil bei Schweizer Gemeinden) ausländischer Herkunft, und davon dürften auf dem nicht ganz billigen Pflaster – Interlaken besitzt ein 5-Sterne-Hotel und ein eigenes Casino – nur wenige Gastarbeiter sein.
Interlakens Touristenkarriere begann mit den Reisebeschreibungen der Dichter und Denker des 19.Jahrhunderts. So richtig Schub bekam sie mit dem Bau der Berner Oberland-Bahn nach Lauterbrunnen und Grindelwald am Ende desselben Jahrhunderts. Die Oberland-Bahn bedient auch eine Strecke von Wilderswil bei Interlaken auf die Schynige Platte in 1967 Metern Höhe, von wo man nicht nur die herrliche Kulisse der prominentesten Oberlandgipfel Mönch, Eiger und Jungfrau betrachten, sondern auch wunderschön die Seen von Thun und Brienz mit dem Bödeli überschauen kann.
Kandersteg
Auch Kandersteg bietet wesentlich mehr Touristen- als Einwohnerbetten, und zwar mehr als doppelt so viel, hat allerdings nur 1.200 Einwohner. Der Übergang über die Kander war schon im Altertum eine Raststation für Händler aus dem Süden, die über Gemmi- und Lötschenpass kamen. Die Gemeinde besitzt viele reizvolle Wanderwege, vom Spaziergang bis zur alpinen Tour, aber auch Touren für Mountainbiker, und das dürften anspruchsvolle sein, sind doch rund zwei Drittel der Gemeindefläche zu steil für Bebauung oder landwirtschaftliche Nutzung. Sechs Skilifte und 100 Kilometer Loipen stehen den Wintersportlern zur Verfügung. Als Berner Endpunkt des Autoverlade-Zuges durch den Lötschbergtunnel – noch heute eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen der Schweiz – nach Goppenstein im südlich benachbarten Wallis ist Kandersteg für viele Touristen Startpunkt der eigentlichen Urlaubsreise.
Jungfrau, Mönch und Eiger
Dieses Dreigestirn dominiert die Panoramen in weiten Teilen des Berner Oberlandes. Das Gebiet Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn ist seit 2001 ein Welterbe der UNESCO, und zwar das erste des Alpenraums. Es geht auf die Selbstverpflichtung von 15 Gemeinden zu nachhaltiger Regionsentwicklung zurück; inzwischen sind elf weitere Gemeinden dazugekommen.
In der berüchtigten Nordwand des Eiger fanden viele Bergsteiger den Tod, was die Schweizer Behörden veranlasste, die Durchsteigung zu verbieten, wogegen Bergsteiger jedoch erfolgreich gerichtlich vorgingen. Noch heute ist die Nordwand eine alpinistische Herausforderung. Mitglied der Gruppe, die 1938 die Nordwand erstmals bezwingen konnte, war übrigens der bekannte Forschungsreisende Heinrich Harrer (in der Verfilmung seines Buches „Sieben Jahre in Tibet“ von Brad Pitt dargestellt); der Rekordbergsteiger Reinhold Messner stellte zusammen mit Peter Habeler 1974 eine Bestmarke von 10 Stunden auf, die Anfang 2008 von einem Schweizer Duo noch einmal unter sieben Stunden gedrückt wurde.
Der höchste Bahnhof Europas
2012 wird der mit knapp 3.454 Metern höchstgelegene Bahnhof Europas, der Bahnhof Jungfraujoch, sein hundertstes Jubiläum feiern. 1896 begonnen (nachdem mehrerer Anläufe zuvor gescheitert waren), sollte die Zahnradbahn von der Passhöhe der Kleinen Scheidegg – teils durch die Massive von Mönch und Eiger – ursprünglich bis hinauf zum Jungfraugipfel führen, doch schwierige Bauumstände, die Todesopfer forderten, übersprudelnde Kosten und der Tod des Initiators Adolf Guyer-Zeller verhinderten den letzten Bauabschnitt. Dennoch ist die Pionierbahn (die eigene Wasserkraftwerke zur Stromerzeugung bekam) noch heute eine Bahn der Superlative, das zeigen etwa die unvergleichlichen Ausblicke aus den Panoramafenstern der Stationen Eigernordwand oder Eismeer; etwa der Blick auf den Aletschgletscher, den imposantesten und längsten Gletscher der Alpen, einen Fluss aus 26,5 Milliarden Tonnen Eis von über 23 Kilometern Länge, auf dem eine Stadt wie Kassel bequem Platz hätte.
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