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Göteborg

Stadt der Banausen?

„In Göteborg schreibt man keine Gedichte, sondern Rechnungen“, lautete ein gängiger Spruch noch Mitte des vorigen Jahrhunderts, der Göteborgs Charakter als kulturlose Industrie- und Handelsstadt aufs Korn nahm, in der nur die Sprache der klingenden Münze verstanden wurde. Doch das hat sich spätestens mit dem großen Werftensterben zum Ende des letzten Jahrhunderts geändert. Volvo, den Kugellagerriesen SKF oder den mythischen Kamerahersteller Hasselblad gibt es noch immer in Göteborg, aber wo die Werften Platz machten, wuchsen Hotels, Opernhäuser und Konzertsäle empor. Die Universität Göteborgs, Ende des 19. Jahrhunderts gegründet, ist heute eine der renommiertesten Nordeuropas.

Die zweitgrößte schwedische Stadt mit knapp einer halben Million Einwohner – der Großraum zählt knapp 900.000 – liegt in der schwedischen Provinz Västra Götalands län am Kattegatt. Es gab einige Vorgängersiedlungen, doch das heutige Göteborg geht auf die Gründung Königs Gustav des Zweiten im Jahre 1619 zurück. Damals lagen die norwegischen und dänischen Grenzen sehr nah, und Göteborg war kaum mehr als ein befestigter Außenposten der schwedischen Krone, mit seinem charakteristischen Zickzack-Stadtgraben einer der am besten befestigten in Nordeuropa.
Der Einfluss der Holländer – sie wurden als Fachleute für Städtebau in Marschlandschaften vom König engagiert und bildeten im ersten Stadtrat sogar die Mehrheit – ist an den Grachten der Altstadt zu erkennen, auch wenn die heute meist zugeschüttet sind.
Steil nach oben ging es mit der Stadtentwicklung im 18. Jahrhundert durch die Gründung der Schwedischen Ostindien-Kompanie. Wichtige Handelsmonopole und ein eisfreier Hafen verhalfen der Stadt zu großer Bedeutung. Noch weiter aufwärts ging es nach der Öffnung des Götakanals, der den Schifffahrtsweg von der Nord- in die Ostsee bedeutend abkürzte und zahlreiche Werften hervorbrachte. Die bedeutendste entstand dort, wo der Götakanal begonnen wurde: in Motala, einer kleinen Industriestadt am Vättersee. Die Motala verkstad wurde so namhaft, dass Jules Verne sein berühmtes U-Boot „Nautilus“ aus dem Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“ dort „vom Stapel laufen“ ließ.

Die Viking

Nicht ganz so legendär, aber doch sehenswert ist die „Viking“, der größte skandinavische Windjammer, der im Göteborger Hafen fest vertäut liegt und dort wohl auch liegenbleiben wird. Der Viermaster, zunächst Ausbildungsschiff der dänischen Handelsflotte, später als Getreidesegler bis Australien unterwegs, befuhr die Meere von 1906 bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Anfang der neunziger Jahre kaufte ihn die Stadt für eine Krone und installierte ein Museum; es werden aber auch gern Konferenzen darin abgehalten.

Liseberg

Liseberg ist der größte Vergnügungspark Skandinaviens. Er wurde bereits 1923 eröffnet. Knapp drei Millionen Besucher tummeln sich jedes Jahr auf rund 20 Hektar.

Götakanal

Man kann mit dem Zug in drei Stunden von Göteborg nach Stockholm reisen – oder in vier Tagen mit dem Schiff. Die Fahrt auf dem Götakanal ist ein besonderes Erlebnis, geschaffen für Menschen, die im Urlaub Beschaulichkeit und Nostalgie schätzen. Der 190 Kilometer lange Wasserweg, der 1832 eröffnet wurde, ist zur Hälfte künstlich und verbindet auf seinem Weg den größten See Europas außerhalb Russlands, den Vänersee, mit seinem Nachbarn, dem Vättersee. Der Kanal ist ein Teil der knapp 400 Kilometer langen Wasserverbindung von Göteborg nach Stockholm.

Von Anfang Mai bis Ende September kann man wählen zwischen sechstägigen Touren und viertägigen, bei denen das Schiff auch nachts fährt. Prunkstück der kleinen Flotte ist die „MS Juno“, die mit Baujahr 1874 das älteste noch „amtierende“ Passagierschiff der Welt ist. Die Tour selbst gibt es schon seit Gründung der Reederei 1869.

58 Schleusenstopps erlauben es den Passagieren, sich am Ufer die Beine zu vertreten und weiter flussabwärts wieder zuzusteigen. Überhaupt kann man die Tour entlang alter Treidelwege auch zu großem Teil zu Fuß oder per Fahrrad machen. Mit der mancherorts wie verwunschen wirkenden Seenlandschaft gehört eine Fahrt auf dem Götakanal zu den schönsten Schifffahrtstouren überhaupt.

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