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Südmähren

Liechtensteiner Landschaft

Die südmährische Landschaft zwischen Valtice, deutsch Feldsberg, und Lednice, deutsch Eisgrub, ist eine Kulturlandschaft des UNESCO-Welterbes. Das Geschlecht Liechtenstein, das aus Österreich stammt, übernahm ab dem 13. Jahrhundert nach und nach die Herrschaft über Valtice und errichtete dort ein Schloss, im sieben Kilometer entfernten Lednice später noch eine Sommerresidenz – also lange vor der Existenz des heutigen Fürstentums Liechtenstein.

Schloss Valtice

Das Schloss Valtice wurde im 17. Jahrhundert vermutlich von Karl Eusebius von Liechtenstein erbaut. Auch der Vorgängerbau war schon im Besitz derer von Liechtenstein gewesen. Die reich im Barockstil und mit Deckenfresken verzierten Räume des Schlosses sind sehenswert, besonders der Spiegelsaal, die Gemäldegalerie und die Schlosskappelle. Der Weinkeller des Schlosses ist einer der bedeutendsten Tschechiens, denn Valtice ist auch für seinen Weinbau bekannt.

Schloss Lednice

Schloss Lednice gilt nach dem Umbau Mitte des 19. Jahrhunderts als herausragendes Beispiel englischer Neugotik – was vermutlich einem längeren England-Aufenthalt von Fürst Alois von Liechtenstein zu danken ist. Imposant sind die vielen reichen Schnitzarbeiten der Räume, besonders eine Wendeltreppe aus einem einzigen Eichenstamm. Das Treibhaus, das sich dem Schloss anschließt, ist ein 13 Meter hohes und 92 Meter langes Unikum. Es wurde Mitte des 19. Jahrhunderts, kurz vor der neugotischen Umgestaltung des Schlosses, aus Stahl und Glas erbaut und gilt heute europaweit als das besterhaltene seiner Art. Während sein Vorläuferbau, eine Orangerie, mehr schlecht als recht der Aufzucht exotischer Früchte diente, war das neue Palmenhaus der Liechtensteins auch ein Märchengarten und extravaganter Veranstaltungsort.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen beide Schlösser im Rahmen der Enteignung in tschechoslowakischen Staatsbesitz über, wogegen das Fürstentum 2001 Klage beim Internationalen Gerichtshof in den Haag erhob mit der Begründung, man habe damals den Liechtensteinschen Besitz als einen deutschen betrachtet und damit die Anerkennung Liechtensteins als souveränen Staat untergraben. Der Gerichtshof erklärte die Klage für zulässig, sich selbst aber nach achtmonatiger Beratung für unzuständig.

Der Garten Europas

Die Parklandschaft mit Schloss Lednice als Zentrum und einer Fläche von etwa 200 Quadratkilometern – gelegentlich „größter Garten Europas“ genannt – mit seinen vielen Lustschlösschen, Burgen und Pavillons, seinen Alleen, Kolonnaden und Kanälen ist eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Dieser Park ist nicht angelegt, sondern komponiert.
Die ersten Gärten um die Schlösser stammen aus dem 16. Jahrhundert, doch zu der Zeit erstreckte sich hier noch eine Sumpflandschaft. Die Liechtensteins ließen sie zwischen 1781 und 1811 trockenlegen, den Fluss Thaya umleiten und aus seinem Flussbett einen See ausgraben. Das dauerte sechs Jahre lang. Den Aushub nutzte man zum Aufschütten von Inseln. Gärtner wurden nach Amerika und Afrika gesandt, um fremdländische Pflanzen zu besorgen, die heute zum besonderen Reiz der riesigen Anlage beitragen; 700 Baumarten soll es hier geben.
Ein Kuriosum ist das Minarett, 60 Meter hoch, das lange Zeit das höchste Minarett außerhalb islamischer Länder und das nördlichste Europas war. Fürst Alois von Liechtenstein soll es aus Trotz errichtet haben, weil man ihm die Genehmigung zum Bau einer Kirche verweigert hatte. Seiner eigentlichen Bestimmung wurde es nie zugeführt, aber als Aussichtsturm wird es gern genutzt, und an klaren Tagen soll man den Wiener Stephansdom sehen können.

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