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Peloponnes

Insel oder Halbinsel?

Der – oder auch die – Peloponnes ist die „Insel des Pelops“, einer Gestalt der griechischen Sagenwelt. Tatsächlich ist der Peloponnes eine Halbinsel, verbunden mit dem griechischen Festland durch eine Landenge bei Korinth, auch wenn seit 1893 ein Kanal die Lande wieder trennt.
Dafür verbindet in der Nähe von Patras seit 2004 eine über zwei Kilometer lange Brücke die Orte Antirrio auf dem Festland und Rio auf dem Peloponnes. Sie ist (nach dem Viadukt von Millau in Frankreich) die zweitlängste Schrägseilbrücke der Welt und ein wagemutiges Bauprojekt. Schon vor hundert Jahren wurden erstmals griechische Ingenieure beauftragt, die Möglichkeiten eines Brückenbaus zwischen dem Golf von Patras und dem von Korinth zu sondieren. Doch vor der Brückenlänge von über zwei Kilometern, den starken Strömungen und heftigen Winden mussten die Ingenieure kapitulieren. Dabei waren ihnen die größten Hindernisse, nämlich der bis in große Tiefen sandige Boden, das erdbebenträchtige Gebiet und das Auseinanderdriften von Peloponnes und Festland, noch gar nicht bekannt. Diese Hürden ließen noch 1992 den Bau einer Brücke an dieser Stelle unmöglich erscheinen; dazu kam das stetige Größenwachstum der Schiffe, das eine Durchfahrtshöhe von rund 50 Metern verlangte.
Im Juli 1998 aber war man soweit. Nach sechs Jahren Bauzeit hatte die Brücke 771 Millionen Euro verschlungen – und wurde rechtzeitig fertig zu den olympischen Sommerspielen in Athen. Einer der Fackelläufer, die im Rahmen der Eröffnungsfeier über die Brücke liefen, war übrigens Fußballtrainer Otto Rehagel.

Patras

Den Nordwesten des Peloponnes nimmt Achaia ein. Die Achäer beherrschten zur Hochzeit des antiken Griechenland die gesamte Halbinsel; sie waren für Homer die Griechen schlechthin. Patras ist die Hauptstadt von Achaia, die viertgrößte Stadt Griechenlands und der wichtigster Hafen des Peloponnes. Viele Touristen betreten hier in der Saison erst- oder letztmals griechischen Boden, und der Transit lässt die Stadt dann laut und hektisch erscheinen. Wer sich außerhalb der Saison einen Tag Zeit nimmt, lernt die Reize von Patras kennen; schließlich war die Stadt 2006 Kulturhauptstadt Europas.
Obwohl sie im Altertum gegründet wurde, gibt es in Patras vergleichsweise wenige alte Gebäude, denn im 19. Jahrhundert machten ein Erdbeben und später die Türken die Stadt fast dem Erdboden gleich. Das Amphitheater, das römische Viadukt und manch Anderes sind jedoch noch zu besichtigen.
Einst war sie eine wichtige Hafenstadt, und neben Korinth nahm die Verbreitung des Christentums in Griechenland hier seinen Ursprung. Der Apostel Andreas soll hier den Märtyrertod an einem schrägen Kreuz gestorben sein, weswegen solche Kreuze – etwa an Bahnübergängen – heute Andreaskreuze heißen. Patras ist die griechische Karnevalshochburg.

Ägion

Ägion – oder auch Egio – wird von den Flüssen Selinountas im Osten und Meganitis im Westen begrenzt. Im Süden der Stadt wächst die Landschaft allmählich zum Panachaiko-Massiv hinauf, im Norden liegt das Ionische Meer. Von den Terrassen des rund 40 Meter hohen Plateaus, auf dem die Stadt liegt (ein schmaler Strandstreifen ausgenommen), hat man einen wunderbaren Blick auf den Golf von Korinth, besonders vom Platanenplatz der Unterstadt, wo noch heute die zwölf Brunnen sprudeln, die schon in der Antike beschrieben wurden. Das Archäologische Museum ist interessant nicht nur im Inneren, wo sich allerdings die Funde in dieser geschichtsträchtigen Gegend relativieren. Das Äußere der ehemaligen Markthalle wurde von dem deutschen Architekten Ernst Ziller entworfen, der im 19. Jahrhundert mit 24 Jahren Vertreter seines dänischen Chefs in Griechenland wurde. Die Vorliebe dieses Chefs für klassizistische Architektur stellte Zillers Lebensweichen. Er siedelte nach Athen um, wurde später Professor an der Technischen Universität und Direktor für öffentliche Bauten. Mehrere Hundert Gebäude in ganz Griechenland hat er entworfen (auch Theater in Patras) für die höchstgestellten Persönlichkeiten, etwa den einstigen Kronprinzenpalast, heute Sitz des griechischen Präsidenten in Athen.

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