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Grafschaft Kent
Tor Britanniens
Wer England kennt, kennt Kent – diesen bescheidenen Wortwitz konnte man jahrhundertelang mit den Europäern machen, denn die einfachste Möglichkeit, vom Kontinent nach Britannien zu gelangen, war die Überquerung des Ärmelkanals an seiner engsten Stelle: Rund 35 Kilometer trennen Calais in Frankreich und Dover in der englischen Grafschaft Kent. Es ist naheliegend, dass meist in Kent die Kämpfe gegen Invasoren aller Herkunft stattfanden.
Die Kreidefelsen von Dover
Das erste, was diese Invasoren zu sehen bekamen – bei klarem Wetter schon von französischem Boden aus – sind die Kreidefelsen von Dover, teils über hundert Meter hoch, die über rund zwanzig Kilometer die englische Küste säumen. Zu größtem Teil bestehen sie aus reinem Kalk, der in der Kreidezeit vor 136 Millionen Jahren aus unzähligen Schalen winziger Algen entstand. Das weiche Gestein ist starker Erosion ausgesetzt. Die Felsen schrumpfen pro Jahr um rund einen Zentimeter.
Die Kathedrale von Canterbury
In Canterbury („Burg der Bewohner von Kent“) steht die bekannte Kathedrale, die wohl prachtvollste Englands, mit der die Gotik Einzug in die englische Baukunst hielt. Der Jahrhunderte währende große Bau hat ein Sammelsurium an Anbauten hervorgebracht, den manche als reiche Vielfalt, Puristen jedoch als wildes Durcheinander bezeichnen. An der Stelle, wo das von Rom kommende Christentum im 6. Jahrhundert erstmals Fuß auf englischem Boden fasste, residiert heute das Oberhaupt der anglikanischen Kirche, der Bischof von Canterbury, der die englischen Könige krönt.
Wo Darwin wirkte
Im Dorf Downe südöstlich von London, heute zum Großraum London gehörig, lebte der Begründer der Evolutionstheorie Charles Darwin mit seiner Familie vierzig Jahre lang bis zu seinem Tod 1882. Schon knappe fünfzig Jahre später wurde Darwins Wirkungsstätte ein Museum, verfiel aber bald und wurde erst Ende der 1990er Jahre als „Englisches Erbe“ wieder eröffnet. Momentan wartet das Museum darauf, als Weltkulturerbe anerkannt zu werden. Mit seiner Frau Emma, einer Cousine aus der Wedgewood-Porzellan-Dynastie, hatte Darwin zehn Kinder, von denen drei im Kindesalter starben. Obwohl Darwin fünf Jahre um die Welt segelte und besonders seine Galapagos-Forschungen Bekanntheit erlangten, so waren seine minutiösen Untersuchungen an Pflanzen und Tieren im eigenen Garten für sein Gedankengebäude nicht weniger wichtig. Sein Denkpfad, den dreimal täglich zu gehen er seiner Gesundheit selbst verordnet hatte, war Stätte vieler Beobachtungen und Überlegungen.
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