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Azoren
Die Habichtsinseln
Eigentlich müssten die Azoren statt mit vollem Namen Ilhas dos Açores eher Ilhas dos Ratoneros heißen, denn die vermeintlichen Habichte (Azores), die bei Ankunft der portugiesischen Eroberer über der Insel kreisten, waren Bussarde.
Die Azoren sind eine Gruppe von neun größeren und mehreren kleineren Inseln, die auf dem Seeweg von Lissabon nach New York etwa nach dem ersten Drittel, nach rund 1.500 Kilometern auftauchen. Die neun größeren Inseln bilden wiederum drei Gruppen: Die westliche mit den Inseln Corvo und Flores, die mittlere mit Faial, Pico, São Jorge, Graciosa und Terceira. Die östliche Gruppe bilden Santa Maria, die Formigas und schließlich São Miguel, die größte der Inseln mit der Azorenhauptstadt Delgada. Die autonome Region der Azoren gehört zu Portugal und damit zur Europäischen Union, und sie sind das westliche Ende Europas.
Vulkanischer Ursprung
Die Azoren liegen auf dem Mittelatlantischen Rücken, der Trennfuge zwischen drei mächtigen Platten der Erdkruste, die noch heute stetig von Vulkanismus auseinandergepresst werden. Außer Santa Maria, einer 80 Millionen Jahre alten Sedimentinsel, sind denn auch alle Inseln Vulkaninseln, entstanden vor rund vier Millionen Jahren. Corvo und Flores bewegen sich auf der Amerikanischen Platte westwärts, die restlichen Inseln auf der Eurasischen ostwärts, und zwar jeweils mit anderthalb Zentimetern pro Jahr. Heute liegen die äußersten Inseln, Corvo und Santa Maria, 550 Kilometer auseinander. Alle Inseln zusammen haben knapp die Fläche des Saarlandes.
Touristen können die ganze Palette des Vulkanismus bewundern: Caldeiras (eingefallene Krater, in denen sich oft Seen gebildet haben), Krater, Kegelvulkane (der Pico auf der gleichnamigen Insel ist mit 2.351 Metern Portugals höchster Berg), heiße Thermalquellen, Schlammsprudel, Solfataren, Fumarolen und großartige Basaltformationen – und Ausbrüche. Auch wenn die meist unter See stattfinden, bleiben sie auf den Inseln nicht unbemerkt.
Etappe zur Neuen Welt
Archäologische Funde auf Corvo lassen vermuten, dass schon die Phönizier den Archipel besucht haben. Seekarten des 12. Jahrhunderts verzeichnen bereits einzelne Inseln, und 1427 stellte Portugal erstmals Herrschaftsansprüche.
Als wichtige Etappe auf der Nordarmerikaroute bekamen die Azoren schnell große Bedeutung für die Seefahrt; Kolumbus schaute 1493 auf der Rückfahrt nach Europa vorbei. Auch der Anbau von Färberpflanzen, Südfrüchten, Tee und Tabak sowie der Walfang ließen die Inseln zu Beginn des 19. Jahrhunderts florieren. Und an dessen Ende wurde das erste Unterseekabel von Europa nach Amerika über Faial verlegt; mehr als nur ein Symbol für die Wichtigkeit der Azoren als Relaisstation zwischen den Kontinenten. Ab 1930 landeten die ersten transatlantischen Linienflugzeuge hier. 1944 entstand ein größerer Flughafen mit einer 3-Kilometer-Piste, die einen Großteil von Santa Maria beanspruchte. Heute fliegen die großen Jets nonstop von einem Kontinent zum anderen, und auf dem Flughafen landen bloß zweimal täglich Maschinen der örtlichen Fluglinie.
Die Bewohner der Azoren leben zu großem Teil von Vieh- und Milchwirtschaft. Aber auch der Tourismus nimmt zu. Da den acht Vulkaninseln jedoch weite Sandstrände fehlen und der Regen hier öfters vorbeischaut, steht Massentourismus kaum zu befürchten. Die ganzjährig sehr angenehmen Temperaturen, die abwechslungsreiche Landschaft und die reiche Flora entschädigen diejenigen aber reichlich, die nicht wegen Sonne und Strand kommen, etwa Segler, Taucher und Bergwanderer.
Flores
Wie der Name vermuten lässt, ist Flores, die westlichste der Azoreninseln, eine Blumeninsel, ein echter Geheimtipp für Wanderer und Naturliebhaber. Über Monate blüht es hier in allen Farben. Besonders die Hortensien, das Wahrzeichen der Azoren. Das liegt nicht zuletzt am häufigen Niederschlag (1.500 Millimeter jährlich). Der speist die vielen Wasserfälle, die hier und da sogar noch die einst verbreiteten Wassermühlen antreiben und an den Steilküsten besonders imposant hinab rauschen.
Dass noch heute französisch zumindest verstanden wird, liegt am Engagement des französischen Militärs, das 1963 rund um das nördliche Ponta Delgada Fernmeldeeinrichtungen, ein Krankenhaus, Straßen und ein Kraftwerk errichtete. Dieses Engagement endete jedoch 1993, und die Bevölkerungszahl auf Flores hat sich seit 1950 halbiert. Die geblieben sind ernähren sich von Feld, Weide – typisch für die Azoren sind die Natursteinmauern an deren Grenzen – und Fischfang. Schroffe Steilklippen herrschen vor, und so richtig würdigen kann man die bizarren Felsformationen von einer Bootstour aus. Badestellen gibt es nicht viele, aber es gibt sie, und sie sind mit dem warmen, kristallklaren Wasser in den Felsenbecken und dem Fischreichtum kleine Paradiese. Die Enxareus-Meereshöhle südlich von Santa Cruz, einst Piratenunterschlupf, ist heute eine Sehenswürdigkeit. Für Reisende sind besonders Juni bis August geeignet.
Die Formigas
Diese kleinen Inseln der Ostgruppe ragen kaum aus dem Meer und sind unbewohnt. Die Taucher lieben die reichen Gewässer, allerdings steht das Gebiet heute unter Naturschutz; Taucher und Angler brauchen Lizenzen. Und die Kapitäne fürchten sie, doch ein Leuchtfeuer mindert heute die größten Gefahren.
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