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Das Taubertal
Radeln auf dem Klassiker
Durchs Taubertal südwestlich von Würzburg zwischen Wertheim und Rothenburg ob der Tauber führt einer der klassischen Urlaubs-Radwege Deutschlands, und „Klassiker“ lautet auch seine Beschilderung. Meist wird er in drei Etappen geteilt mit den Stationen: Rothenburg – Weikersheim – Tauberbischofsheim – Wertheim. Für Wanderer ist die Region nicht minder geeignet.
Das Tal der Sehenswürdigkeiten
Es wäre einfacher, die Orte im Taubertal aufzuzählen, die keine historischen Sehenswürdigkeiten beherbergen. Matthias Grünewald, Tilman Riemenschneider und Balthasar Neumann sind nur die bedeutendsten Künstler, die sich im Tal verewigt haben.
Grünewald (der sich vermutlich Gothart Nidhart nannte und den Namen Grünewald einer Verwechslung verdankt) lebte um das Jahr 1500 und wird auf eine Stufe mit Albrecht Dürer und Lucas Cranach gestellt. Von ihm stammt der Altar der Tauberbischofsheimer Martinskirche, der dort heute allerdings nur als Kopie zu sehen ist; das Original findet sich in der Karlsruher Kunsthalle. Eines seiner bedeutendsten Werke (bis 1881 Rubens zugeschrieben) ist das Madonnenbild von 1516 in der Kapelle der Kirche Maria Himmelfahrt im Bad Mergentheimer Stadtteil Stuppach. Das Bild heißt darum die „Stuppacher Madonna“.
Der Wahl-Würzburger Tilman Riemenschneider war ein Zeitgenosse Grünewalds und einer der wichtigsten Bildhauer und Bildschnitzer seiner Zeit. Aus seiner Werkstatt stammen der Marienaltar der Creglinger Herrgottskirche, mehrere Altäre der Jakobskirche in Rothenburg sowie, nördlich davon, der Heiligkreuz-Altar der Detwanger Kirche.
Das Portrait des Baumeisters Balthasar Neumann kennen die meisten noch vom neueren 50-Mark-Schein. Er lebte rund 200 Jahre später als Riemenschneider und Grünewald. Von ihm stammen zahlreiche Bauwerke zwischen Würzburg und Bamberg. Eines der imposantesten ist die Würzburger Residenz. Vorbild war das Versailler Schloss, und wie dieses beeindruckt die Residenz mit einer – für Bauwerke dieser enormen Dimension – außergewöhnlichen architektonischen Geschlossenheit. Von Neumann ist auch die Barockkirche des Deutschordensschlosses in Bad Mergentheim.
Das Bocksbeutelprivileg
Die Franken im Taubertal dürfen ihren Wein nach fränkischer Sitte in Bocksbeutel-Flaschen abfüllen; im württembergischen Abschnitt der Tauber dürfen die Winzer das nicht. Auf über tausend Hektar werden Silvaner, weißer wie grauer Burgunder und Riesling angebaut; vor allem aber Müller-Thurgau, der auf den Muschelkalkböden vorzüglich gedeiht. Neben dem Dornfelder gibt es Rote von hervorragender Güte: den Schwarzriesling und den Blauen Spätburgunder. Eine Besonderheit ist der Tauberschwarz. Die dünnhäutigen Beeren dieses Rotweins galten schon als ausgestorben, als man in den 1960er Jahren noch 400 Rebstöcke entdeckte und durch Züchtung aufpäppelte. Inzwischen gibt es wieder mehr als zehn Hektar.
Dinkel und Grünkern
Doch das Taubertal ist nicht nur für seine Weine bekannt. Der Grünkern hat hier, rund um den Ort Boxberg, seine Weltdomäne und heißt drum auch „Badischer Reis“. Grünkerne sind das Korn des Dinkels, des Vorfahrens unseres Weizens. Er ist dem Weizen an Ertrag unterlegen, übertrifft ihn jedoch im Nährstoffgehalt. Der Grünkern, früh geerntet, wird erst beim anschließenden Trocknen grün, dem „Darren“. Beliebt sind Grünkernprodukte heute nicht nur als Fleischersatz für Vegetarier.
Rothenburg ob der Tauber
Dass Rothenburg eine so gut erhaltene Altstadt besitzt, schreibt man der Unwichtigkeit zu, die der einstigen Kaiserresidenz nach dem 30jährigen Krieg zufiel. Und wenn amerikanische Bomberpiloten kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in Rothenburg nicht ein Ersatzziel für das im Nebel liegende Öllager Ebrach gefunden hätten (ahnungslos, wie sie später beteuerten), wäre der Zustand der Altstadt noch besser. Doch die Sanierungen und Restaurationen nach dem Krieg brachten Rothenburg ziemlich nah an dieses Ideal heran – nicht zuletzt durch großzügige Spenden der US-Luftwaffe. Überhaupt ist Rothenburg bei den zahlreichen ausländischen Touristen einer der wichtigsten Repräsentanten des „good old Germany“, und die Altstadt hat schon bei so manchem Film als historische Kulisse gedient, etwa beim mehrfach preisgekrönten „Kaspar Hauser“. Irgend eine Filmtruppe treibt sich fast immer zwischen den malerischen Bauten herum.
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