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Rio de Janeiro

Der Fluss, der eine Bucht war

„Januarfluss“ ist die Übersetzung des portugiesischen „Rio de Janeiro“. Der portugiesische Seefahrer Gaspar de Lemos hatte die Guanabara-Bucht, an deren Westseite die heutige Stadt liegt, Anfang des Jahres 1502 entdeckt, sie jedoch für die Mündung eines riesigen Flusses gehalten.
Eine Hügelkette trennt die ehemalige brasilianische Hauptstadt in zwei Teile. An der Atlantikküste liegen die berühmten Strandbezirke Ipanema und Copacabana; nördlich der Hügel liegen das historische Stadtzentrum, das Geschäftszentrum und die neuen Stadtteile. Über sechs Millionen „Cariocas“ leben hier, wie die Einwohner Rios heißen – der Name hat indianischen Ursprung. Nach Sao Paolo ist Rio die wirtschaftlich bedeutendste Stadt Brasiliens. Im gesamten Ballungsraum der Bucht dürften weit über 11 Millionen Menschen leben. Niteroi, die Stadt am Ostufer der Guanabara-Bucht, ist durch eine 14 Kilometer lange Autobahnbrücke mit Rio verbunden.
Das Stadtgebiet Rios dehnt sich auch auf die Inseln der großen Bucht aus, auf der Ilha do Fundao steht die moderne Universität, der internationale Flughafen auf der Ilha do Governador.

Copacabana und Ipanema

Copacabana ist wohl der bekannteste Stadtteil Rios, gewiss der menschenreichste, eingebettet zwischen dem Atlantik und den „Morro“ genannten Granitfelsen, Ausläufern der Serra do Mar. Meist verbindet man mit dem Namen Copacabana bloß den vier Kilometer langen halbmondförmigen Strand und die Promenade, die nach Einbruch der Dunkelheit zu einem einzigen Rotlichtviertel wird. Klimatisch rauer, aber gesellschaftlich ruhiger geht es am Nachbarstrand (und im Nachbarviertel) Ipamena zu, das in den sechziger Jahren als das Künstlerviertel Rios galt. „The Girl from Ipanema“, die englische Version des brasilianisches Liedes von Antonio Carlos Jobim im Stil der Bossa nova, wurde ein Welthit. Rios Flughafen ist heute nach dem Komponisten benannt, der 1994 starb.

Karneval

Der Karneval in Rio ist vielleicht die Hauptattraktion der Stadt. Die farbenprächtige Parade gehört zu den größten der Welt. Jährlich messen sich hier die Sambaschulen, von denen es allein in Rio 14 große und unzählige kleine gibt. Die großen Schulen schicken rund 4.000 Menschen in den Wettkampf. Wettkampf? Ja, die Sache wird sehr ernst genommen. Jeder Umzug wird von Preisrichtern bewertet. Es gibt wie beim Fußball mehrere Ligen, es gibt Auf- und Absteiger, und ein einfacher Brasilianer kann sich die Mitgliedschaft in einer der oberen Sambaschulen nicht leisten, wo ein Umzugswagen 150.000 Euro und ein Kostüm 6.000 Euro kosten kann; ebenso wenig wie einen Platz entlang der „Sambódromo“, der Paradestraße, denn der würde mindestens 100 Euro kosten. 60.000 Zuschauer haben auf den Tribünen Platz.

Der Zuckerhut und der Bucklige

Der Zuckerhut auf der Halbinsel Urca ragt steile 396 Meter auf. Sein Name ist kein Zufall, ist doch Brasilien der größte Zuckerproduzent und -verbraucher der Welt. Der Zuckerhut und die Christusstatue auf dem 710 Meter hohen „Corcovado“ (deutsch: der Bucklige) sind die Wahrzeichen Rios, und vermutlich gehören sie zu den meistfotografierten Wahrzeichen der Welt. Eine großzügig verglaste Seilbahn fährt seit Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Gipfel des Zuckerhuts. Auf ihr focht James Bond 1979 ein Duell auf Leben und Tod mit dem Bösewicht „Beißer“ aus; zu sehen in „Moonraker“. Noch spektakulärer ist der Blick auf Stadt und Bucht jedoch vom Corcovado aus, der über eine Zahnradbahn und eine Serpentinenstraße zu erreichen ist. Auf ihm breitet die 30 Meter hohe Statue „Christus der Erlöser“ die Arme aus. Sie wurde anlässlich der hundertjährigen Unabhängigkeit Brasiliens errichtet und 1931 eingeweiht. Die über 1.100 Tonnen schwere Stahlkonstruktion mit mosaikartigem Specksteinüberzug steht auf einem Sockel, der eine kleine Kapelle beherbergt. Der Blick auf die Stadt ist einzigartig und sicher schuld daran, dass Rio trotz seiner hässlichen Seiten für viele noch immer die schönste Stadt der Welt ist.

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