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Wallis

Wallis, der Kanton im Rhônetal

Das Wallis im Südwesten der Schweiz besteht im Wesentlichen aus dem Tal der Rhône zwischen ihrer Quelle am Rhônegletscher und der Mündung in den Genfer See. Der Dichter Rainer Maria Rilke nannte das Wallis eine eigentümliche Mischung aus Spanien und Provence. Hier stehen die höchsten Berge der Schweiz, allen voran die Dufourspitze in der Monte-Rosa-Gruppe mit 4.634 Metern. Dieser Gipfel liegt allerdings halb auf italienischem Gebiet, weswegen der Dom mit 4.545 Metern der höchste „rein Schweizer“ Berg ist.

Sierre

Die 15.000-Einwohner-Stadt Sierre wird charakterisiert durch die Hügel der Altstadt am Nordufer der Rhône; die Römer nannten Sierre die „Stadt der hundert Hügel“. Die Römer kamen mit Caesar im ersten Jahrhundert v. Chr.; die Hügel waren schon vorher da: entstanden durch den Felssturz der Varneralp 16.000 Jahre zuvor, nach dem Rückzug des Rhônegletschers, der das Tal ausgehobelt hatte.

Sierre hat im Sommer ein warmes, fast mediterranes Klima. Die Trockenheit der Region brachte schon früh die sogenannten Bißen hervor, Bewässerungskanäle, die allerorts von den Bergen herunterkommen. Die Hänge um Sierre und den Nachbarort Sion sind für den Weinbau wie geschaffen; die bekanntesten Weine sind der weiße Fendant und der rote Dôle. Im Winter erreicht man die Skigebiete des noblen Crans-Montana oder des Val d'Anniviers in einer halben Stunde, ebenso wie den Thermalbadeort Leukerbad. Durch Sierre geht eine Sprachgrenze. Gut zwei Drittel der Einwohner sprechen französisch, etwa ein Fünftel deutsch (für sie heißt die Stadt Siders), der Rest spricht italienisch oder anderes.

Sion

Die Stadt, knapp zwanzig Kilometer von Sierre aus die Rhône hinunter, besitzt ein charakteristisch mittelalterliches Stadtbild mit einigen sehenswerten alten Bauwerken. Ebenso wie Sierre wachsen auch hier Hügel unvermittelt aus der Talebene. Die zwei Hügel im Osten, Valère und Tourbillon, tragen Wallfahrtskirche und Schloss. Die Kirche, Notre-Dame de Valère, beherbergt eine Orgel von 1435, heute eine der ältesten noch spielbaren Orgeln der Welt.

1999 musste die Stadt eine große Enttäuschung erleben. Nach zwei erfolglosen Bewerbungen um die olympischen Winterspiele war sich Sion sicher, diesmal den Zuschlag zu erhalten. Auf dem Marktplatz war bereits ein Fest in vollem Gange, als auf der aufgestellten Großleinwand der Bescheid des Olympischen Komitees erschien: Turin bekam die Spiele. So plötzlich hatte kaum je eine Feier geendet.

Grande Dixence

17 Kilometer südlich von Sion liegt der Lac des Dix. Die Staumauer des Sees, Grande Dixence, war zur Bauzeit 1964 die höchste der Welt. Mit 285 Metern ist sie noch heute die höchste Europas und noch immer die höchste Gewichtsstaumauer der Welt (Gewichtsstaumauern stehen durch ihr Eigengewicht, anders als Bogenmauern, die sich an den Talflanken abstützen; die Grande Dixence wiegt 15 Millionen Tonnen). Nach dem Moskauer Fernsehturm ist ihre Krone der höchste für Touristen zugängliche Bereich eines europäischen Bauwerks. Mit einer mittleren Jahresleistung von 2.100 Gigawattstunden trägt der Komplex Grande Dixence zur Versorgung von 18 Schweizer Kantonen bei.

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