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Hohe Tatra
Gebirgiges Kleinod
Die Slowakei ist dünn besiedelt. Auf einer Fläche etwas größer als Niedersachsen leben knapp sechs Millionen Menschen, davon allein 425.000 in der Hauptstadt Bratislava (Pressburg) am südwestlichen Landesrand. Der Rest der Slowakei wird fast ganz vom nördlichen Karpatenbogen eingenommen, und der höchste Teil der Karpaten – ganz im Norden der Slowakei –, das ist die Hohe Tatra (ein kleiner Teil gehört zu Polen), die gern als "kleinstes Hochgebirge der Welt" bezeichnet wird, was sich allerdings auf die Länge des Hauptkamms von 27 Kilometern bezieht, nicht auf die Gipfelhöhen. Die können sich durchaus sehen lassen, etwa die 2.655 Meter der Gerlsdorfer Spitze, des höchsten Berges der Tatra, der Slowakei und der gesamten Karpaten.
Das kleinste Hochgebirge
Nationalberg aber ist der knapp 2.500 Meter hohe Kriváň, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts Ziel von "patriotischen Ausflügen" der slowakischen Nationalbewegung war. Auch heute noch steigen jährlich am 16. August slowakische Patrioten auf den Gipfel, um des Aufstandes gegen die Habsburger zu gedenken.
Überhaupt glänzt die Hohe Tatra mit 25 Gipfeln über 2.500 Meter. Die Gipfel sind nicht nur dicht gedrängt, sie steigen auch recht plötzlich aus der Ebene auf. Ein bewaldetes Vorgebirge wie in den Alpen gibt es hier nicht.
Weitere Naturschönheiten sind die zahlreichen Gletscherseen, zum Beispiel der Tschirmer oder Zirbener See am Kur- und Wintersportort Štrbské Pleso, mit 1.346 Metern einer der höchstgelegenen Kurorte Europas. Der See entstand aus Gletscherschmelze und ist ein Drittel des Jahres zugefroren. Der größte See und eins der beliebtesten Ausflugsziele ist das "Meeresauge" auf polnischem Gebiet ("Meeresauge", weil man früher an eine unterirdische Verbindung zum Meer glaubte). Diese Gletscherseen – es gibt über 100, und manche sind über 50 Meter tief – sind berühmt für ihr glasklares Wasser.
Nationalpark TANAP
Die Hohe Tatra ist seit 1948 ein Nationalpark mit einer Fläche von knapp 74.000 und einem Schutzgebiet von 30.700 Hektar. Die Bäume sind der Höhe wegen meist Fichten; dennoch wachsen hier rund 1.400 Pflanzenarten, davon etwa 40 nur hier. Die Tierwelt bevölkern unter anderem Gämsen (die leider vom Aussterben bedroht sind), Steinadler und Murmeltiere, aber auch Luchse, Wölfe und Braunbären kommen vor – abseits der markierten Wege. Diese zu verlassen ist allerdings nur in Begleitung eines Bergführers gestattet.
Unvergessliche Panoramen
Skifahrer, Wanderer, Bergsteiger und Mountainbiker jeder Trainingsstufe finden in der Hohen Tatra die richtige "Arena". Ein einzigartiger Ausblick bietet sich vom Gipfel der Lomnitzer Spitze, die bis zur genauen Vermessung 1838 einer der Kandidaten für den höchsten Tatragipfel war. Tatsächlich ist sie der zweithöchste. Allerdings müssen zwanzig Minuten für das Panorama reichen; das ist auf dem engen Gipfelareal die erlaubte Aufenthaltsdauer nach der Gondelfahrt vom Steinbachsee auf den 2.634 Meter hohen Berg. Zu Fuß ist der Gipfel für Normaltouristen nicht zugänglich.
Naturvielfalt auf engem Raum
Die Tatra ist nicht nur berühmt für ihre klaren Gletscherseen, sondern allgemein für ihre ebenso reichhaltige wie vielfältige Natur auf engstem Raum. Neben Wasserfällen gehören dazu natürlich auch Tropfsteinhöhlen; allerdings ist nur eine öffentlich zugänglich: die einen Kilometer lange Belaer Höhle im Nordhang des "Kogylí vrch". Vielfältig ist allerdings auch das Wetter. Gefürchtet sind an warmen Tagen plötzliche Abkühlungen, die Gewitter und Hagel bringen können – und Lebensgefahr demjenigen, der die Tatra unterschätzt wegen ihrer geringeren Höhe im Vergleich mit den Alpen. Wer allerdings die Empfehlungen für Touristen befolgt, hat wenig zu befürchten.
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