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Prag

Leckerbissen für Geschichtsinteressierte

Knapp 1,2 Millionen Einwohner hat Prag: Jeder neunte Tscheche ist Prager.

Seit 1992 zählt Prags historisches Zentrum zum UNESCO-Welterbe. Weil die Stadt in den Weltkriegen weitgehend von Zerstörung verschont blieb, ist sie heute – gerade für Kultur- und Geschichtsinteressierte – ein touristischer Leckerbissen. Es gibt keinen bedeutenden Baustil, den es in Prag nicht gibt. Allein die Gebäudeensembles der Burganlage bieten ein Potpourri von Romanik bis Neoklassizismus.

Prag ist eine alte Stadt; selbst die Neustadt ist über 600 Jahre alt. Zur Regierungszeit Kaiser Karls des Vierten war sie das kulturelle und geistige Zentrum Mitteleuropas und de facto die Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches. 400 Jahre lang war sie das habsburgische Machtzentrum.
Aber eigentlich war Prag lange vier Städte:
– Die Altstadt, die – wie man ahnen kann – älteste Prager Stadt mit den vielen Sehenswürdigkeiten des Altstadtringes.
– Die Neustadt, eine komplette Neugründung Kaiser Karls aus dem Jahre 1348. Im selben Jahr gründete Karl in Prag die erste mitteleuropäische Universität.
– Die Kleinseite unterhalb der Burg, die nach zwei verheerenden Bränden im 16. Jahrhundert die Stadt der Reichen und des Adels wurde, wovon Paläste und Kirchen bis heute zeugen.
– Die Hradschin-Stadt mit dem Burggelände, von dem weiter unten noch die Rede ist.
Die vier eigenständigen Städte schlossen sich 1784 zusammen.

In vielen Bezirken Prags sind kulturgeschichtlich interessante Routen markiert, denen man auch ohne Kunstführer gut folgen kann.

Die Karlsbrücke

Prag hat viele Beinamen; der bekannteste ist wohl "Die Goldene Stadt" (wegen der einstmals vergoldeten Bleidächer). Es ist aber auch die Stadt der Brücken: 180 gibt es in Prag. Die berühmteste ist die Karlsbrücke, die in der Mitte des 14. Jahrhunderts auf Befehl Kaiser Karls des Vierten begonnen und erst ganz am Ende des Säkulums fertiggestellt wurde. Bis ins 19. Jahrhundert war sie die einzige Prager Brücke über die Moldau, und lange Zeit hieß sie bloß "Steinerne Brücke" oder "Prager Brücke". Ihre merkwürdige Krümmung verdankt sie den Brückenköpfen ihrer Vorgängerin, der Judithbrücke aus dem 12. Jahrhundert, die für Prags Aufstieg in der Handelswelt Voraussetzung war.
Mit einer Länge von 520 Metern, 16 Bögen und rund zehn Metern Breite ist die Karlsbrücke ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst, auch wenn die meisten Plastiken erst im Barock aufgestellt wurden. Die bekannteste ist die des Heiligen Nepomuk in der Brückenmitte, die zu berühren Glück bringen soll. Karls Sohn, Wenzel der Vierte, hatte der Legende nach vom Priester Johannes Nepomuk vergeblich Auskunft über die Beichte seiner Frau verlangt. Nepomuk berief sich standhaft auf das Beichtgeheimnis und wurde dafür in der Moldau ertränkt. Heute gilt er nicht nur als Schutzpatron der Beichtväter, sondern auch der Brücken; sein Hochgrab liegt im Veitsdom.
Die Karlsbrücke ist inzwischen eine reine Fußgängerbrücke, wegen ihrer touristischen Bedeutung aber dennoch von dichtem Verkehr betroffen.

Die Prager Burg

Das Areal auf dem Berg Hradschin ist das größte Burgareal der Welt. Auf drei Burghöfen finden sich die Heilig-Kreuz-Kapelle, die Burggalerie mit bedeutenden Gemälden, der Veitsdom, die St.-Georgs-Basilika mit der Nationalgalerie und der Alte Königspalast.
Der Wladislawsaal wurde (nach der Rückkehr des Hofstaates von der Altstadt in die Burg) um 1500 auf den Alten Königspalast aufgesetzt, wo er heute Hauptattraktion ist. Seine verschlungenes Rippengewölbe, das trotz seiner Ausmaße ohne Pfeiler auskommt, ist ein Glanzpunkt mittelalterlicher Baukunst gotischen Stils; die Fassade dagegen zeigt die frühesten Renaissancemerkmale nördlich der Alpen. Historisch interessant ist auch der Saal des Zweiten Prager Fenstersturzes, der den 30-jährigen Krieg auslöste.
Reizvolle Gartenanlagen umher und malerische Gassen dazwischen vervollständigen die Burganlage, etwa die berühmte "Goldene Gasse", in der Franz Kafka zeitweise lebte.
Die Geschichte der Burg (Hrad) begann im 9. Jahrhundert mit dem Bau einer Marienkirche durch das Geschlecht der Přemysliden, die lange Zeit Herrscher der Tschechen waren. Bis auf wenige Ausnahmen war die Burg steter Sitz der böhmischen Herrscher; heute residiert hier der tschechische Staatspräsident.

Der Veitsdom

Blickfang nicht nur der Burg, sondern ganz Prags ist der Veitsdom, Krönungs- und letzte Ruhestätte der böhmischen Herrscher. Kaiser Karl der Vierte ließ den Bau der Kathedrale 1344 beginnen, nachdem er Prag zum Erzbistum verholfen hatte. Mit 124 Metern Länge und 60 Metern Breite (des Querschiffes) ist der gotische Bau die größte Kirche Tschechiens; die Domorgel mit ihren 6500 Pfeifen ist ebenfalls die größte landesweit, und die 17 Tonnen schwere Siegismund-Glocke ist eine der mächtigsten Kirchenglocken der Welt.

Konkurrenzloser Stadien-Gigant

Das Strahov-Stadion im Stadtviertel Strahov fasst 250.000 Zuschauer und ist damit bei weitem das größte Stadion der Welt (zum Vergleich: Das berühmte Maracana-Stadion in Brasilien fasst etwas mehr als 100.000 Zuschauer, das größte deutsche Fußballstadion knapp 83.000). Die Innenfläche hat dementsprechend die stolze Fläche von 62.876 m², was für sechs normale und zwei kleine Fußballfelder reicht (hier kickt unter anderem die 2. Mannschaft von Sparta Prag).
Ja, Platz hatte man in Prag. In der Mitte des 14. Jahrhunderts hatten nur Rom und Konstantinopel mehr Fläche; nördlich der Alpen hatten nur Paris, Gent und Brügge mehr Einwohner. Die meisten Prager sprachen deutsch. Das änderte sich erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als nach und nach mehr Tschechen aus dem Umland nach Prag zogen.

Václav Havel

Václav Havel war zehn Jahre lang Präsident der Tschechei, davor drei Jahre lang Präsident der Vorgängerin "Tschechoslowakei". Er begann im Prager "Theater am Geländer" als einfacher Bühnenarbeiter, später war er dort Dramaturg und Dramatiker.

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