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Barbados
Die Insel der Bärtigen
"Insel der Bärtigen" (Isla de los Barbados) nannte der portugiesische Seefahrer Pedro a Campo die östlichste Antilleninsel. Die "Bärte" waren die üppig wuchernden Luftwurzeln von Schmarotzerpflanzen. Wer heute das einzigartige Naturreservat der Rinne von Welchman Hall (Welchman Hall Gully) im Herzen von Barbados besucht, kann sich eine Vorstellung davon machen, was sich im Jahre 1536 dem portugiesischen Kapitän darbot. Der machte denn auch, genau wie Christoph Kolumbus vor ihm, einen Bogen um die völlig zugewachsene Insel. Erst knapp hundert Jahre später ragte der Union Jack aus dem Inselboden.
Von der Plantageninsel zu "Klein England"
Die wuchernden Pflanzen auf Barbados mussten großteils dem Zuckerrohr weichen, das in Plantagen angebaut wurde. Heute hat Barbados so viele Einwohner wie Münster; mit 430 Quadratkilometern ist die Insel knapp halb so groß wie Berlin. Tourismus ist die Haupteinnahmequelle, doch Zuckerrohr wird noch immer angebaut, wenn auch meist für den berühmten Barbados-Rum. Linksverkehr, Ortsnamen wie Cambridge und Oxford, Kricket und der Fünfuhrtee zeugen von 300 Jahren ununterbrochener britischer Herrschaft. Es gibt sogar einen Trafalgar-Square in der Hauptstadt Bridgetown inklusive Nelson-Statue. Wer jetzt meint, die Imitation gehe vielleicht doch etwas weit, dem sei gesagt, dass der barbadische Nelson 30 Jahre vor seinem Londoner Kollegen Aufstellung nahm. Der Name Bridgetown verdankt sich angeblich einer Holzbrücke über einen schmalen Meereskanal, welche die ersten Siedler schon vorfanden. Sie war ein Bauwerk der eingeborenen Arawak-Indianer.
"Klein-England" hat Unter-, Oberhaus und Premierminister. Die Parlamentsgründung 1639 dürfte eine der frühesten der nichtantiken Welt sein; alle Rechte aber, die dem britischen Mutterland abgetrotzt wurden, galten nur für britische Plantagenbesitzer. Von echter Demokratie konnte vor Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1830 nicht die Rede sein. Seit 1966 ist Barbados unabhängig und Mitglied des Commonwealth.
Die stabile Regierungsform und die kleine Einwohnerzahl sind wohl Gründe für die verschwindend geringe Kriminalitätsrate. Nach britischem Vorbild tragen die Schutzpolizisten keine Waffen. Aber auch im gesellschaftlichen Rahmen wird das Beachten von Regeln nahe gelegt. Mit all zu kurzen Röcken und Hosen fällt man unangenehm auf. Beim Abendessen im Hotel wird oft noch das Dinnerjacket erwartet. Ganz falsch aber anzunehmen, die "Bajans", die Einheimischen, seien vielleicht etwas steif. Gospel und Calypso, Jazz, Steeldrum, Tanz und Feiern in farbenprächtigen Kostümen stehen auf der Insel hoch im Kurs, etwa beim "Holetwon Festival", das an die Ankunft der ersten Siedler im Jahre 1627 erinnert.
Vielseitiges Inselleben
Die Nord- und Ostküste der Insel gehören dem Atlantik – und mit der rauen Brandung für Wellenreiter zu den beliebtesten Stellen. Der Süden und der Westen – dort ballen sich Siedlungen und Hotels – liegen an der ruhigen karibischen See, dem Gebiet der Wahl für Nichtstun am Strand oder zum Schnorcheln und Tauchen. Urlaubssaison ist auf Barbados von September bis April; die Insel blüht dann. Im Sommer fällt häufiger Regen, auch wenn es keine echte Regenzeit gibt. Trotz der Tropenlage sind die Temperaturen das ganze Jahr über sehr angenehm: tagsüber um 30°C, nachts knapp über 20°C. Das Wasser, im Sommer 28°C warm, wird auch im Winter nie kälter als 23°C.
Im Inselzentrum, nahe der erwähnten Welchman-Rinne, liegt inmitten eines exotischen Gartens "Harrisons Höhle", eine imposantes Tropfsteingebilde mit Wasserfall, das von einer kleinen Elektrobahn aus besichtigt werden kann. Barbados ist flach; nur das Inselzentrum steigt leicht an. Trotzdem ist die Insel auch bei Geländeradlern beliebt. Straßenradler schätzen die gut ausgebauten, autoarmen Strecken.
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