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Aquitanien

Das Land des Wassers

Aquitanien liegt ganz im Südwesten Frankreichs, grenzt im Süden an die Pyrenäen und im Westen an den Golf von Biscaya. Es heißt das "Land des Wassers" wegen seines milden und feuchten atlantischen Klimas; Flüsse gibt es eher wenige, und abseits der wenigen Flussläufe ist der Boden meist zu karg für intensive Landwirtschaft. Dennoch ist Aquitanien ländlich geprägt, denn der kalkhaltige Boden um Bordeaux ist bestens geeignet für den Weinbau.

Außer dem größten Mündungstrichter Europas, dem der Gironde, findet sich noch ein geografischer Superlativ: die Düne von Pyla nahe dem Städtchen Arcachon: 60 Millionen Kubikmeter Sand, knapp 120 Meter hoch, einen halben Kilometer breit und knapp drei Kilometer lang. Sie ist die größte europäische Düne und nach dem Mont-Saint-Michel das meistbesuchte Naturmonument Frankreichs. Der tolle Ausblick zieht nicht nur Gleitschirm- und Drachenflieger an. Die Düne ist heute ein Naturschutzgebiet.

Wein

Weinkenner unterscheiden Weine vom rechten Dordogne-Ufer, die vorwiegend aus der Rebsorte Merlot gewonnen werden, und Weine vom linken Ufer. Hier liegt das Médoc, eines der berühmtesten Weinbaugebiete der Welt mit 16.000 Hektar Rebflächen. Der Merlot ist auch hier anzutreffen, besonders im nördlichen Teil, doch der Cabernet-Sauvignon überwiegt; häufig werden Weine auch aus beiden Rebsorten verschnitten; es gibt kaum einen Bordeaux-Wein ganz ohne Merlot.

Bordeaux

Nicht nur der Boden, auch das Klima kommt dem Weinbau entgegen. Mit 2.000 Sonnenstunden im Jahr wird die Viertelmillion-Einwohner-Stadt Bordeaux in Frankreich nur von den Mittelmeeranrainern übertroffen. Es regnet häufiger, besonders im Winter, etwa 900 Liter pro Quadratmeter und Jahr.
Für ihren Wein bekannt war schon die Siedlung Burdigala, prächtig und blühend, von den römischen Herrschern der Antike zur Hauptstadt der Provinz Aquitanien auserkoren, nicht zuletzt wegen ihres strategisch wichtigen Seehafens: Bordeaux liegt nahe der Gironde, einem 70 Kilometer langen und 13 Kilometer breiten Mündungstrichter, zu dem die Flüsse Garonne und Dordogne einige Kilometer nördlich von Bordeaux zusammenfließen. Die Gezeiten des Atlantiks machen sich bis Bordeaux bemerkbar und das Wasser der Gironde brackig. Darin lebt vieles, aber nicht viel Unterschiedliches. Die große Wassermenge trägt als Wärmespeicher zum ausgeglichenen, weinfreundlichen Klima bei; Eis auf der Gironde wurde zuletzt 1956 gemeldet.

Die Bevölkerungsdichte von Bordeaux ist mit weit über 4.000 Einwohnern pro Quadratkilometer über 1,7 mal so hoch wie die von Frankfurt am Main, und das sieht man der Stadt an: zwischen den Häusern kaum Platz für Baum und Strauch, dennoch wirkt die Stadt nicht ungestalt, im Gegenteil.

Das Stadtbild

Die Kathedrale Saint-André ist eine der größten Kirchen Frankreichs. Papst Urban weihte die vorwiegend gotisch gebaute Kirche 1096 ein. Hier heiratete Eleonore von Aquitanien, eine der stärksten Frauen des Mittelalters, die im 12. Jahrhundert Königin von Frankreich und England wurde, den französischen Thronerben Ludwig VII; hier heiratete Ludwig XIII. Anna von Österreich.
Während der französischen Revolution zerstörten die niederen Stände den Innenraum der Kirche und benutzten sie als Scheune.

St. André ist von weitem zu sehen, doch das Stadtbild Bordeaux' ist weniger von hervorstechenden Einzelbauten geprägt als durch eine harmonische Gesamtheit, die über die Jahrhunderte gut erhalten blieb. Selbst die von den deutschen Besatzern des zweiten Weltkrieges geplanten Zerstörungen blieben dank Bordelaiser Verhandlungsgeschick und Sabotage aus.

Die Esplanade des Quinconces ist fast zwölf Hektar groß; selbst der von Bäumen freie Mittelbereich könnte fast vier Fußballfelder fassen. Damit ist die Esplanade der größte unbebaute Platz europäischer Städte. 1453 errichtete Charles VII. nach dem endgültigen Sieg über England hier das Château Trompette mit der Garonne im Rücken. 200 Jahre später revoltierten die Bordelais wegen der Steuerlast gegen den Hausherren Louis Quatorze. Der ließ den Aufstand niederschlagen, das Schloss ausbauen und alles abreißen, was ihm und seinen Kanonen im Weg sein könnte. Auch was weiter weg innerhalb der Stadtmauern stand, durfte der freien Schussbahn wegen nur eingeschossig sein.

Bordeaux war schon seit je eine liberale Stadt, ein Asyl für Religionsflüchtlinge. Bezeichnend, dass ein Freidenker wie Michel de Montaigne hier im 16. Jahrhundert Bürgermeister war.

Biarritz

Biarritz am Atlantik nahe der spanischen Grenze war nichts als ein baskisches Fischerdorf, bis Eugénie, die letzte französische Kaiserin, 1854 ihrem Gatten ihren Lieblingsstrand zeigte; Eugénie hatte spanische Vorfahren. Gatte Napoleon der Dritte baute ihr unverzüglich ein Sommerpalais, ein Mini-Versailles, in dem die Monarchen häufig den Sommer verbrachten. England, das über die Liebesheirat Napoleons mit der schönen und geistreichen, aber kaum standesgemäßen Eugénie zunächst die Nase rümpfte (er hätte eigentlich die königliche Nichte Adelheid heiraten sollen), fand auch bald Gefallen an dem Badeort Biarritz – und sorgte für den Import des Golfsports. 1908 nahm Edward VII. die Ernennung seines Finanzministers Asquith zum Premierminister in Biarritz vor. Der Ort zog nun die oberen Zehntausend ganz Europas an; auch Bismarck kam öfter hierher. Das Palais der Eugénie wurde schon um die vorvergangene Jahrhundertwende zu dem, was es noch heute ist: zum Hôtel du Palais. Biarritz ist heute nicht zuletzt bei Surfern sehr beliebt.

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