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Umbrien
Mitte Italiens
Rund 860.000 Menschen leben in der Mitte Italiens, gleich weit entfernt vom adriatischen und vom Tyrrhenischen Meer. Der Volksstamm der Umbrer besiedelte tausend Jahre vor Christi Geburt erstmals das Gebiet. Die eigene umbrische Sprache ging ab dem vierten vorchristlichen Jahrhundert jedoch in der Romanisierung Italiens unter. Der römische Komödiendichter Plautus, allen Lateinschülern wohlbekannt, schrieb auf Latein, war jedoch gebürtiger Umbrer.
Perugia
Hauptstadt Umbriens ist Perugia, das als Perusia von Etruskern gegründet wurde (tyrrhenisch = etruskisch). Zur Blüte gelangte es im Mittelalter, wo es sich mit damaligen Metropolen wie Florenz, Siena oder Pisa durchaus messen konnte. Dass um das Jahr 1500 drei der bedeutendsten Maler Italiens in Perugia wirkten, nämlich Perugino, Pinturicchio und Raffael, zeigt Kunstverstand und Finanzkraft der Städter.
40 Jahre später allerdings hat die Papsttreue der Peruginer ein vorläufiges Ende. Wegen zu hoher Salzsteuern bricht der sogenannte "Salzkrieg" aus. Papst Paul der Dritte war kein Pazifist (später rief er etwa die zuvor abgeschaffte Schweizergarde – noch heute die Leibgarde des Papstes – wieder ins Leben). Er brach den Widerstand der Peruginer und errichtete auf den Ruinen eines ganzen Stadtviertels eine nach ihm benannte Zwingburg, die Rocca Paolina. Perugia verlor seinen Rang als Regierungssitz an Spoleto. Erst im Zuge der italienischen Einigung Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Zwingburg zerstört.
Sehenswürdigkeiten in Perugia
Die Altstadt auf einem knapp 500 Meter hohen Hügel besitzt einige sehenswerte Kulturdenkmäler; zum Beispiel ist die sechs Kilometer lange Ringmauer aus dem 14. Jahrhundert sehr gut erhalten. Der Große Brunnen (Fontana maggiore) ist der erste mittelalterliche Stadtbrunnen Europas. Er wurde 1278 von Nicola Pisano und seinem Sohn Giovanni zur Zierde des Aquäduktes erbaut, das Wasser von einer Quelle des Berges Paciano heranführte. Das untere, größte Becken zeigt in 50 Reliefs Leben und Arbeiten der Städter in den Jahreszeiten. Das mittlere, etwas kleinere Becken wird von 24 Marmorstatuen biblischer Figuren geschmückt. Die Bronzeschale darüber wird von drei weiblichen Figuren in der Haltung von Lastenträgerinnen gestützt: eine Hand über Kopf, die andere in die Seite gestemmt. Weniger schön ist der spitze Eisenzaun, der den direkten Zugang versperrt.
Perugia hat aber einen noch viel älteren Stadtbrunnen: den Etruskischen Brunnen (Pozzo Etrusco), den man über einen unscheinbaren Eingang an der Piazza Danti erreicht. 40 Meter tief ist der Schacht aus dem 4. vorchristlichen Jahrhundert.
Zwischen 1345 und 1490 wurde der Dom des Heiligen Lorenz (Duomo San Lorenzo) gebaut, doch die Fassade ist über den Rohbau nie hinausgekommen. Untypisch für Italien ist der Bau als Hallenkirche (die Seitenschiffe sind so hoch wie das Mittelschiff).
Fünf Konklaven fanden einst in Perugia statt. Der mächtigste aller Päpste, der kompromisslose Innozenz der Dritte, der den deutschen Kaisern erfolgreich die Stirn bot, muss sich allerdings mit einem Sammelgrab begnügen, während Leo der Dreizehnte, Erzbischof von Perugia und Wegbereiter der italienischen Christdemokratie, mit einer Sitzstatue gewürdigt wird. Bedeutend ist auch die "Kreuzabnahme Christi", ein Meisterwerk des Federico Barocci, dessen Bilder heute in der Mehrzahl in den Florentiner Uffizien hängen.
Eine kleine Gedenktafel – in deutscher Sprache! – erinnert an den Kapellmeister Francesco Morlacchi aus Perugia, der am sächsischen Hof Vorgänger von Richard Wagner war.
Der Palazzo dei Priori (Palast der Stadtoberen) entstand Ende des 13. Jahrhunderts, wurde im 14. aber noch mal deutlich erweitert. Er zählt zu den prachtvollsten Säkularbauten Italiens mit zum Teil bedeutenden Fresken, etwa solchen der römischen Cavallini-Schule im Saal der Notare oder denen des Lokalmatadors Perugino, der eigentlich Pietro Vannucci hieß. Seine allegorischen Fresken finden sich im Collego del Cambio, dem Geldwechslersaal.
Perugino, Lehrer Raffaels, ist aber auch angemessen vertreten in der Nationalgalerie Umbriens im obersten Stockwerk, der bedeutendsten Kunstgalerie der Region.
Die große Freitreppe des Palastes prägt das Südende der Piazza IV Novembre. Heute beherbergt er Museen und Ämter, etwa die Touristeninformation.
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