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Algarve

Einfach: der Westen

"Die Algarve" heißt es oft, doch richtiger ist "der Algarve". Der Name stammt von den nordafrikanischen Mauren, die im achten Jahrhundert über die Straße von Gibraltar kamen und die iberische Halbinsel eroberten. "Al-gharb" heißt "der Westen" (auch der arabische wie der portugiesische Name sind männlich), denn das südspanische Andalusien war das Gebiet, das die Mauren als erstes erreichten und zuletzt verließen, das Gebiet, das in Granada und Córdoba noch heute die beeindruckendsten maurischen Bauwerke beherbergt.
Auch lange nach der Vertreibung der Mauren im 13. Jahrhundert blieb der Algarve ein selbständiges Königreich, wenn auch die portugiesischen Herrscher hier gelegentlich mitregierten als "Könige von Portugal und Algarve".

Auf knapp 5.000 qkm wohnen knapp 400.000 Menschen, doch im Sommer können sich leicht drei mal so viele Menschen im Algarve aufhalten.

Von der spanischen Grenze bis nach Faro ist die Küste flach, die Strände sind für den feinen Sand berühmt. Von Faro bis zur europäischen Südwestspitze bei Sagres ist die Küste steil und felsig mit bizarren bis monumentalen Felsformationen, unterbrochen von Sandbuchten und zahlreichen Grotten. Die höchste Erhebung des Algarve ist die Serra de Monchique mit dem rund 900 Meter hohen Fóia. Die Kleinstadt Monchique am Hang des Berges ist nicht nur der Aussicht des Fóia wegen ein Reiseziel, sondern auch wegen der vielen Quellen und Bäder, der "Caldas de Monchique".

Das Golfdorado

Ein Kapitel für sich sind die Golfplätze des Algarve. Englische Kolonialisten brachten Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Golfleidenschaft mit. Im Winter, der in England besonders grau und trist sein kann, ist im Algarve die beste Zeit für Golf.
Gegen Ende des vorigen Jahrhunderts entstanden über zwanzig bedeutende Golfplätze, teils angelegt von berühmten Landschaftsarchitekten wie Sir Henry Cotton (der um die Zeit des Zweiten Weltkrieges selbst ein Weltspitzen-Golfer war). Golf und Landschaft scheinen hier eine vollkommene Symbiose einzugehen, und das auch zu Nutzen und Frommen von Nichtprofis, denn in der Regel muss man auf diesen Plätzen kein Clubmitglied sein.

Antikes Erbe

Zunächst prägten die Römer die Region. Sie besiegten etwa 200 vor Christus die Karthager und gründeten auf der iberischen Halbinsel zahlreiche Siedlungen. Besonders um die alte Hauptstadt Lagos und um die neue, Faro, finden sich noch sehenswerte Ruinen ihrer Villen.
Schon zur damaligen Zeit begann der einst dichte Wald Portugals zu verschwinden. Die Häfen der Region waren für den Seehandel wie geschaffen; es brauchte Schiffe. Besonders während der Blütezeit des portugiesischen Kolonialreichs zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhundert war der Holzbedarf immens; er hat in weiten Landstrichen nur das Hartgebüsch übriggelassen, die sogenannte Macchie, die heute für viele Mittelmeergebiete charakteristisch ist. Allerdings begann in Portugal Ende der 1970er Jahre eine Aufforstungskampagne mit Eukalyptus und Nadelbäumen.

Faro

Faro, seit 1540 im Besitz des Stadtrechtes, am Südzipfel des Algarve gelegen, ist dessen Hauptstadt. Zuvor war dies Lagos im Westen, doch das verheerende Erdbeben von 1755 (das in Portugal 100.000 Menschen tötete und dessen Auswirkungen noch in Schweden und Schottland zu spüren waren) verwüstete die Stadt derart, dass das Königreich Algarve seinen Regierungssitz ins weniger betroffene Faro verlegte.
"Ossanoba" oder "Ossonoba" hatten die Römer die Siedlung genannt, die auf eine Gründung der Karthager zurückgeht. Deren späterer Name Faro ("Faru" gesprochen) orientiert sich an dem arabischen Fürsten Ibn Hároun, der die Stadt im 11. Jahrhundert zum Zentrum seines Taifa machte – so hießen unabhängige maurische Königreiche gegen Ende der Maurenherrschaft.
Heute ist Faro mit 50.000 Einwohnern die größte portugiesische Stadt südlich von Lissabon. Sie liegt geschützt hinter einer Phalanx aus Sandbänken (mit dem "hauseigenen" Sandstrand), Lagunen und dem Marschland der Ria Formosa, einem Naturpark mit einzigartiger Vogelwelt.
Faro, einst eine reine Seehandelsstadt, lebt heute zu wachsendem Teil vom Fremdenverkehr.

Albufeira

Zentrum des Badetourismus am Algarve ist heute Albufeira. 15.000 Einwohner gibt es hier, 10.000 Hotelbetten und jede Menge Ferienwohnungen. Bezüglich abendlicher und nächtlicher Unterhaltung bleiben keine Wünsche offen; die "Rua Candido dos Reis" (Prachtstraße der Könige) wird auch "Rua dos Bares" genannt – Übersetzung wohl unnötig.
Albufeira (das arabische "Al-Buhera" bedeutete "kleines Kastell am Meer") blühte während der Maurenherrschaft. Doch die Kreuzritter des 13. Jahrhunderts und das schwere Beben von 1755 ließen von einstiger Kultur und Pracht nicht viel übrig. An geschichtlichen Sehenswürdigkeiten ist wenig zu entdecken. Der Ort ist besonders bei jungen Leuten beliebt, die Strandleben und Abendunterhaltung suchen.
Anfang der neunziger Jahre hat man dem Bau- und Touristenboom doch etwas Einhalt geboten: Autos wurden aus dem Stadtkern verbannt, und die Fußgängerstraßen wurden mit der Calcada versehen, einer typischen Mosaikpflasterung in Portugal.

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