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Florenz

Geld- und Kulturzentrum der Renaissance

Die Altstadt von Florenz, das "Athen Italiens", wurde 1982 in das kulturelle Welterbe der UNESCO aufgenommen, was nicht verwundet, schließlich befindet sich in Florenz die "weltgrößte Anhäufung universell bekannter Kunstwerke". Die Aufnahme zu beantragen hielt man zu Recht für reine Formsache und verbat sich mit dem eben zitierten Hinweis jede weitere Rechtfertigung.

Die 382.000-Einwohner-Stadt liegt am Arno, der die Stadt versorgt, aber auch immer wieder überflutet und für herbe Verluste sorgt, etwa 1966, als er die Nationalbibliothek unter Wasser setzte und nach menschlichem Ermessen zerstörte. Durch aufopfernden Einsatz zahlloser Freiwilliger wurde die Bibliothek mit ihrem einmaligen Bestand dennoch gerettet, was unter Fachleuten als "Wunder von Florenz" einen Namen bekam. Florenz hatte auch einen Ruf zu verlieren, denn 1441 wurde hier die erste öffentliche Bücherei der Welt eröffnet.

Zu verdanken war dies nicht zuletzt der Familie Medici, die vom 14. bis ins 18. Jahrhundert Florenz fast pausenlos regierte und spätestens ab dem 16. Jahrhundert eine europäische Großmacht war. Als Bankiers mit geschickter Heiratstaktik und besten Verbindungen zum Papst gelangten die Medici rasch zu Wohlstand, den sie aber auch zur Förderung von Kunst, Kultur und Wissenschaft einsetzten. Leonardo da Vinci und Michelangelo waren ihre bekanntesten Schützlinge.

Geschichte

Im ersten Jahrhundert v. Chr. gründeten die Römer auf etruskischen Ruinen eine kleine Siedlung namens Florentia, die Blumige. Die Siedlung wuchs rasch zu einer Stadt heran, die jedoch zusammen mit dem römischen Reich unterging. Mit dem Beginn der Adelsherrschaft erstand sie im 12. Jahrhundert wieder auf und wurde autonom. So richtig zur Blüte kam sie jedoch erst im 14. und 15. Jahrhundert. Bereits die Vorgänger von Künstlern wie Botticelli, da Vinci und Michelangelo setzten Kunstmaßstäbe in Europa. Florenz war der Motor der Renaissance, und die Bankiersmentalität der Medici machte die Stadt auch zu einem Handels- und Finanzzentrum.

Die Medici starben Mitte des 18. Jahrhunderts aus. Die Habsburger übernahmen Florenz, und die Stadt verlor ihre Vormachtstellung. Erst im 19. Jahrhundert schwang sich die Stadt wieder auf und entdeckte den Fremdenverkehr; die Bevölkerungszahl verdoppelte sich. Nach 1861 wurde Florenz ein Teil des Vereinigten Italiens, später sogar italienische Hauptstadt, wenn auch nur bis 1871.

Der Florentiner Dom

Eins der bedeutendsten Bauwerke in Florenz, sicher aber das auffälligste, ist die romanisch-gotische Kathedrale Santa Maria del Fiore, der Dom zu Florenz. Er ist das Werk des berühmten Architekten Filippo Brunelleschi, der um die 14. Jahrhundertwende lebte und in Santa Maria del Fiore begraben liegt, was man aber erst 1972 wiederentdeckte.

Die Kuppel der mächtigen Kathedrale ist größer als die des römischen Pantheons. Für sie entwickelte Brunelleschi eine eigene Mauertechnik, welche die erste selbsttragende Gewölbekonstruktion dieser Größe ermöglichte. Brunelleschi war aber auch Konstrukteur, und so ersann er einen Baukran, bei dem die antreibenden Pferde nicht mehr umständlich umgespannt werden mussten, wenn der Kran senken statt heben sollte.

Weitere Florentiner Bauten Brunelleschis (der auch Erfinder der mathematisch durchdachten Perspektivzeichnung war) sind die Basilika von San Lorenzo einschließlich der Alten Sakristei, das Findelhaus Ospedale degli Innocenti, die Cappella dei Pazzi, der Kapitelsaal der Kirche Santa Croce und die Kirche Santo Spirito.

Palazzo Pitti

Auch der Palazzo Pitti wird Brunelleschi zugeschrieben. Das Gebäude gleicht von außen eher eine Festung als einem Palast; es war übrigens Vorbild für den Königsbau der Münchner Residenz. Weil man den Bauherrn, den Kaufmann Luca Pitti, Mitte des 15. Jahrhunderts einer Verschwörung überführte, wurde der Bau erst knapp hundert Jahre später nach einer kräftigen Erweiterung vollendet.

Seit dem 16. Jahrhundert war er Residenz der toskanischen Herzöge, später Sitz des italienischen Königs, wenn er in Florenz weilte. Heute beherbergt er eine öffentliche Gemäldesammlung mit Werken unter anderem von Tizian, Raffael und Rubens.

Die Uffizien

Ende des 16. Jahrhunderts entstanden die Uffizien als Behördenbau, wobei ein ganzes Stadtviertel abgerissen oder in den Neubau integriert wurde. Was sich dabei nicht ins Bild fügte, bekam einen neue Fassade vorgesetzt.

Die "galleria" des Obergeschosses wurde schon recht früh für die Ausstellung von Kunst genutzt, woraus sich der Begriff "Galerie" für Gemäldesammlung herleitet. Heute enthalten die Uffizien eine der wertvollsten Kunstsammlungen der Welt.

Ponte Vecchio

Der Ponte Vecchio, die "Alte Brücke", stammt aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und ist damit tatsächlich die älteste Arno-Brücke in Florenz; selbst den Zweiten Weltkrieg hat sie unbeschadet überstanden. Ihr Übergang wird von vielen kleinen Ladenhäuschen gesäumt, die vom Fluss aus wie aneinander gereihte Bienenstöcke aussehen und nur in der Mitte der Brücke drei Arkadenbögen zum Ausblick frei lassen.

In den Häuschen führten früher Gerber und Schlachter ihr übelriechendes Handwerk aus, bis der Magistrat Ende des 16. Jahrhunderts nur noch Goldschmiede auf der Brücke zu dulden bereit war. Und die logieren noch heute in vielen der kleinen Lädchen.

Die Brücke hat sogar eine zweite Etage, die Mitte des 16. Jahrhunderts für die Stadtherrscher gebaut wurde, damit diese zwischen Domizil und Rathaus hin- und hergehen konnten, ohne vom gemeinen Volk belästigt zu werden.

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