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Rheingau I
Sitz der Erzbischöfe
Eltville (von Alta villa, etwa: Hohes Landhaus), die älteste und größte Stadt im Rheingau, besiedelt seit der Jungsteinzeit, wird erstmals schriftlich erwähnt in der Biografie des Mainzer Erzbischofs Bardo aus dem Jahre 1058. Knapp dreihundert Jahre später verleiht Ludwig der Vierte die Stadtrechte an Eltville, und wenig später wird die junge Stadt für mehr als hundert Jahre zum Residenzsitz der Mainzer Erzbischöfe; bereits 1330 hatte Erzbischof Balduin von Luxemburg einen Burgenbau begonnen, der 1345 vollendet wurde.
Wein, Sekt und Rosen
Eltville im Rheingau ist natürlich eine Weinstadt, aber auch Sekt wird hier in bedeutendem Maße hergestellt. Seit 1988 gehört sie auch zu den sechs Rosenstädten Deutschlands. Die 1871 gegründete Rosenschule sorgte damals vor den Stadtmauern für ein Blütenmeer aus 500.000 Rosen. Eltviller Rosen hatten einen Ruf, der sogar den russischen Zaren zum Kunden der Rosenschule machte.
Stadtgärtnermeister Reinhard Pusch war nach dem Ersten Weltkrieg der Wiederbeleber der darniederliegenden Rosenzucht in den städtischen Grünanlagen. Im Graben der einst erzbischöflichen Burg legte er fast zweitausend Beete an. Heute blühen im Stadtgebiet jährlich rund 350 Sorten in 22.000 Rosenstöcken, darunter manch Rarität. Und weil die Rosenfreunde seit Jahren eine Freundschaft mit Gleichgesinnten im japanischen Hiroshima pflegen, blühen in Eltville auch fernöstliche Züchtungen, etwa die Rose "Schönes Eltville", die der Züchter Kazuzo Tagashira der Stadt schenkte.
Von Mai bis Oktober gibt es Gruppenführungen durch die Rosenanlagen, im Februar Schnittkurse für Rosenliebhaber. In diesem Jahr wurde während der "Eltviller Rosentage" eine Neuzüchtung auf den Namen "Johannes Gutenberg" getauft. Zum Vater des Buchdrucks hat Eltville nämlich eine besondere Beziehung.
Stadt der Buchpioniere
Man wusste Gutenberg hier offenbar mehr zu schätzen als in Mainz, wo Gläubiger ihn verfolgten. 1465 wurde Gutenberg zum Edelmann ernannt von seinem Gönner, dem Residenten der Eltviller Burg, Erzbischof Adolf dem Zweiten von Nassau, und diese Ernennung sicherte dem klammen Gutenberg eine Leibrente aus Getreide, Wein und Kleidung. Unter Gutenbergs Anleitung gründeten die Gebrüder Bechtermünz in Eltville eine Druckerei, die das lateinische Wörterbuch "Vocabularius ex quo" hervorbrachte, eins der ersten gedruckten Bücher überhaupt.
Das Haus, das damals Gutenbergs Bruder Friele Gensfleisch gehörte, steht noch heute neben der Burg.
James Bond im Kloster Eberbach
Auch andere als die Liebhaber hessischer Kunstdenkmäler (von denen das Kloster Eberbach eines der bedeutendsten ist) kennen diese Gewölbe: Jean Jaques Annaud drehte 1986 hier die Innenaufnahmen für seinen Film "Der Name der Rose" nach Umberto Ecos Bestseller mit Sean Connery in der Hauptrolle.
Vorläufer des Klosters war 1136 die erste Klostergründung rechts des Rheins, die auf den Zisterziensermönch Bernhard von Clairvaux zurückgeht, einen Kreuzzug-Eiferer. Zwölf Brüder hatte das Kloster zunächst, doch es wuchs rasch und beherbergte in seiner Blütezeit während des 13. Jahrhunderts etwa hundert Mönche und zweihundert Laienbrüder, die in der Folgezeit mit dem Weinbau nicht nur ihr Auskommen hatten – sie bewirtschafteten mit über 300 Hektar die größte Anbaufläche des europäischen Mittelalters –, sondern sogar Geld am Frankfurter Kapitalmarkt anlegen konnten, wie eine Abrechnung aus dem 18. Jahrhundert belegt.
Während des Dreißigjährigen Krieges erlitten Bibliothek und Wirtschaftsgebäude erhebliche Verluste durch die Raubzüge schwedischer Truppen, und die Französischen Revolution bedeutete das Ende des Klosterbetriebes. In der Bismarckzeit ging Kloster Eberbach an Preußen (das eine Irrenanstalt und später ein Gefängnis darin betrieb) und nach dem Zweiten Weltkrieg an Hessen. Alle wesentlichen Bauten, von der romanischen bis zur barocken Epoche, sind sehr gut erhalten, auch wenn auf Restaurationsarbeiten natürlich nicht verzichtet werden konnte. Heute ist das Kloster eine Stiftung des Landes Hessen, das neben dem Erhalt des Kulturerbes auch den Weinbau weiter betreibt; der Weinbergbesitz ist noch heute der größte zusammenhängende in Deutschland. Auf drei Vierteln der rund 200 Hektar Anbaufläche wächst Riesling; der Rest teilt sich in Chardonnay, Dornfelder und verschiedene Burgunder.
Daneben werden in Eberbach heute Konzerte veranstaltet, etwa diejenigen des Rheingau Musikfestivals.
Die zugänglichen Bereiche kann man täglich einzeln oder mit Führung besichtigen. Für Tagungen und ähnliches lassen sich hübsche Räume buchen oder auch Weinproben im ansässigen Gastronomiebetrieb, und zweimal jährlich findet eine Weinauktion statt.
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