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Lindau I

Drei Inseln werden eine

Lindau, die "von Linden bewachsene Au", ist vermutlich seit vorchristlicher Zeit besiedelt und urkundlich erstmals erwähnt im Jahre 882. Aber die Lindauer Urahnen scheinen schwer zu datieren zu sein: Der vermeintlich antiken Heidenmauer auf der Altstadtinsel bescheinigen neuere Untersuchungen bestenfalls Frühmittelalter.

Im 9. Jahrhundert wurde ein Frauenkloster gegründet: das spätere reichsfürstliche Damenstift "Unserer Lieben Frau", und zwar auf einer der damals drei kleinen Inseln, die mit Brücken verbunden waren und erst im 19. Jahrhundert zu einer einzigen Insel zusammengefasst wurden; möglich machte dies die Jahrhunderte lang andauernde Aufschüttung, die erst 1970 endete.
Im Jahre 1728 ließ ein Feuer nur die Umfassungsmauern des Klosters stehen, auf denen zwanzig Jahre später ein barocker Neubau entstand: das Münster. Ein weiterer Brand 1922 und ein Deckeneinsturz 1987 zogen die Kirche erneut in Mitleidenschaft, doch seit 1993 glänzt sie, umfassend rekonstruiert, in neuer "alter" Pracht.

Lindauer Kinderfest

In den Jahren 1646 und 1647 – der Dreißigjährige Krieg wütete – wurde Lindau von den Schweden belagert, konnte sich aber behaupten; noch im 20. Jahrhundert fanden sich Geschosse dieser Belagerung in den ehemaligen Gräben der Stadtmauer. In Süddeutschland hatte nur ein Drittel der Bevölkerung diesen Krieg überlebt; das gemeinschaftliche Leben war in jeder Beziehung aus den Angeln gehoben, und es dauerte rund hundert Jahre, bis sich die Region erholt hatte. Wer, wenn nicht die junge Generation, sollte diese Erholung bewirken? Der Stadtsyndikus Valentin Heider, Teilnehmer der Friedensverhandlungen, stiftete 1655 das erste Lindauer Kinderfest, um den verwahrlosten Kindern Perspektiven aufzuzeigen. Das Fest wird noch heute mit allen unteren Schulklassen gefeiert. Jedes Kind bekommt traditionsgemäß eine "Butschelle", ein rundes Hefegebäck mit Weinbeeren.

Sankt Stephan

Etwa 1180 wurde die Pfarrkirche St. Stephan gebaut; nach Umgestaltung im 16. Jahrhundert enttäuscht sie heute aufs Angenehmste jeden Besucher, der einen düsteren Innenraum erwartet, mit ihrem hellen Gewölbe und dem verspieltem Rokoko-Stuck. Im Jahre 1528 wurde sie im Zuge der Reformation evangelisch wie das ganze Lindau – mit Ausnahme des Damenstifts. Obwohl die Freie Reichsstadt Lindau vom katholischen Bayern umzingelt war, behauptete sie ihre religiöse Eigenständigkeit auch zu Beginn des 17. Jahrhunderts gegen Ferdinand den Zweiten, der Lindau zu rekatholisieren versuchte. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde Lindau erneut politische und religiöse Eigenständigkeit garantiert; ein Verdienst nicht zuletzt des Kinderfest-Stifters Valentin Heider. Er ist auf der Südfassade des Alten Rathauses abgebildet.

Das Alte Rathaus

... in der Maximilianstraße wird in diesem Jahr 570 Jahre alt. Ursprünglich im gotischen Stil erbaut, wurde es im 16. Jahrhundert dem Geschmack der Renaissance angepasst. Die prächtigen Malereien der Gebäudefront zeigen Szenen des Reichstages von 1496. Die Südfassade zeigt das Portrait von Max Willibald Waldburg-Wolfegg, dessen kaiserliche Truppen der schwedischen Belagerung im Jahre 1646 widerstanden.
Das Alte Rathaus beherbergt einen der besterhaltenen gotischen Säle der Bodenseeregion und eine wertvolle reichstädtische Bibliothek.

Diebsturm und Peterskirche

Der Diebsturm hat noch zwei andere Namen: Malefizturm oder Stadtknechtsturm. Er bildete um 1370 den westlichsten Punkt der alten Stadtmauer; im Mittelalter diente er als Gefängnis. Sein Dach wurde voriges Jahrhundert erneuert.
Die 1000 Jahre alte Peterskirche steht gleich daneben. Sie ist die älteste Kirche der Stadt und heute eine Kriegergedächtnisstätte. Besonders sehenswert sind im Inneren die Wandmalereien "Lindauer Passion" von Hans Holbein dem Älteren, die einzigen Wandmalereien des bedeutenden Malers. Seine Signatur ist auf dem Ärmel Maria Magdalenas zu sehen.

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