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IJsselmeer
Die Südsee der Nordsee
Das IJsselmeer (die Holländer schreiben die beiden ersten Buchstaben als Ligatur groß) ist gar kein Meer, sondern ein See. Unser „Meer“ heißt bei den Niederländern „Zee“. Und aus einer solchen See, nämlich der „Zuiderzee“, entstand das IJsselmeer. Den Namen „Südsee“ gaben die Friesen der großen Bucht südlich ihres Stammgebietes, um es von der Nordsee zu unterscheiden. Das IJsselmeer entstand aus dieser großen Bucht durch einen rund 30 Kilometer langen Abschlussdeich; das Lebenswerk des Wasserbauingenieurs Cornelis Lely.
Lely war um das Jahr 1900 mehrmals Verkehrsminister. Schon Ende des 19. Jahrhunderts hatte er nachgewiesen, dass die Landgewinnung in der Zuiderzee durch Trenndeiche möglich ist, doch lange Zeit scheute die niederländische Regierung die immensen Kosten. Die große Flut von 1916 und die Lebensmittelknappheit während des Ersten Weltkrieges gaben 1918 den Ausschlag: Der Deich, der die Nordsee von der Zuiderzee trennen sollte, wurde in Angriff genommen, doch es dauerte noch bis 1927, bevor die ersten Arbeiten anliefen. 1933, zwei Jahre schneller als geplant, wurde der Deich formell eröffnet. Er verläuft von Den Oever in der Provinz Nordholland nach Zurich in der Provinz Friesland. Über 36 Millionen Kubikmeter Sand und Lehm wurden verbaut, die Kosten beliefen sich – auf heutige Maßstäbe umgerechnet – auf eine gute halbe Milliarde Euro. Die Deichkrone, 90 Meter breit, trägt die Europastraße 22 (Autobahn A7).
Der Deich war Geburtshelfer zweier Polder, die 1986 den Status einer eigenen Provinz, der Provinz Flevoland, erhielten, wobei sich der südliche Polder noch in einen Ost- und einen Südteil gliedert. Hauptstadt der neuen Provinz wurde dem Deich-Erbauer zu Ehren Lelystad. Der Polder Wieringermeer am Nordwestende des IJsselmeeres war bereits vor der Fertigstellung des Abschlussdeiches entstanden.
Ein weiterer Deich wurde 1959 geplant. Dieser Markerwaard-Deich, erbaut von 1963 bis 1975, schneidet 700 Quadratkilometer vom IJsselmeer ab und bildet das eigene Markermeer. Er sollte Amsterdam im Südwesten noch besser vor Überschwemmungen schützen, eine wichtige Straßenverbindung zwischen Lelystad und Enkhuizen schaffen und helfen, einen weiteren Polder hervorzubringen: den Markerwaard. Da es aber immer fragwürdiger wird, ob noch weitere Landwirtschaftsflächen und weiterer Wohnraum gebraucht werden und nicht eher mehr naturbelassene Gebiete, ist das Projekt Markerwaardpolder auf unbestimmte Zeit vertagt.
Vor allem durch die IJssel, die bei Kampen in die ehemalige Zuiderzee mündet, wurde das IJsselmeer allmählich ein Süßwassersee, der durch mehrere Schleusen und Abflusskanäle in die Nordsee entwässert.
Makkum
Seit den achtziger Jahren ist Makkum beliebt bei Windsurfern. Besonders Anfänger können im nur knietiefen Makkumer Revier des Ijsselmeers gefahrlos üben. Aber auch Profis kommen auf ihre Kosten. Überhaupt ziehen nicht nur Surfer das Ostufer des IJsselmeeres dem Westufer vor. Die Winde und der Strandsand sind beständiger, der Regen seltener. Makkum liegt in unmittelbarer Nähe des Deich-Ostendes.
Kornwerderzand
Dort liegt auch die ehemalige Arbeitsinsel Kornwerderzand, die zum Bau des Abschlussdeiches Ende der zwanziger Jahre angelegt wurde. Hier gibt es nicht nur Schleusen, sondern auch ein Kasemattenmuseum in einer ehemaligen holländischen Festung. Kasematten sind bunkerähnliche, unterirdische Gewölbe zum Schutz vor Artilleriebeschuss. Auf Kornwerderzand wurde nach Fertigstellung des Abschlussdeiches eine Festung mit 17 Kasematten und 3 Bunkern errichtet. Die deutsche Wehrmacht konnte während des Zweiten Weltkrieges denn auch hier nicht in das Land eindringen. Sechs der Kasematten sind heute für Museumsbesucher zugänglich.
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